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300 Schuss Munition hatte die Lörracher Amokläuferin dabei, als sie wild im Krankenhaus umherschoss. Polizisten sichern die Spuren. © dpa
20.09.2010

Fehlgeburt, Fürsorgestreit, psychisch angespannt: Suche nach den Amok-Motiven

LÖRRACH. Die Amokläuferin von Lörrach hatte in der Klinik, in der sie einen Pfleger erschoss, vor sechs Jahren eine Fehlgeburt. „Ob das der Grund war, dass sie sich dort hinwandte, wissen wir nicht“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer am Montag in Lörrach. Nach den derzeitigen Ermittlungen liege es nahe, „dass eine Beziehungsproblematik Auslöser für die Tat war“.

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Die 41-jährige Anwältin lebte getrennt von ihrem Mann und soll sich mit ihm um das Sorgerecht für den gemeinsamen fünfjährigen Sohn gestritten haben. Die Sportschützin erschoss ihren Mann am Sonntagabend, als dieser den Sohn wieder bei ihr abholen wollte. Der Junge lebte bei seinem Vater und war über das Wochenende zu Besuch bei seiner Mutter.

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Die Todesursache ist bei dem Kind noch unklar. Der Junge weise „Anzeichen von stumpfer Gewalt“ auf, sagte Generalstaatsanwalt Uwe Schlosser. Vieles spricht den Ermittlern zufolge dafür, dass ihn die Mutter getötet habe. Ob der Kleine erst bei der Explosion in der Wohnung zu Tode gekommen ist, werde noch geklärt. In der Wohnung wurden Brandbeschleuniger gefunden.

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„Wir haben bisher keine Erkenntnisse, dass die Frau psychiatrisch erkrankt war“, sagte Inhofer. Sie habe aber in jüngster Zeit den Eindruck hinterlassen, „psychisch angespannt zu sein“. Nach dem Blutbad in ihrer Wohnung rannte die Frau ins benachbarte Elisabethen-Krankenhaus und tötete in der gynäkologischen Abteilung einen 56-jährigen Krankenpfleger. Er erlitt Stichverletzungen und Kopfschüsse. Die Amokläuferin schoss auch auf die Tür eines Patientenzimmers, wo sich sechs Besucher aufgehalten hatten.

Die Polizisten, die die 41-jährige Frau in der Klinik erschossen hatten, handelten laut Polizei aus Notwehr. „Ich bin sicher, dass die Beamten durch ihren beherzten Einsatz einer Vielzahl von Menschen das Leben gerettet haben“, sagte der Einsatzleiter der Polizei. Ein Polizist wurde schwer verletzt.

Die Amokläuferin hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 300 Schuss Munition mit in das Krankenhaus genommen. Die Sportwaffe habe sie legal und rechtmäßig besessen, sagte Inhofer: „Wir wissen, dass die Frau früher Mitglied eines Schützenvereins war.“ Ob sie zuletzt noch Mitglied war, sei unbekannt. dpa