nach oben
15.04.2008

Feiern für Baden-Württemberg

Undank ist der Welten Lohn – mag sich derzeit im Stuttgarter Staatsministerium und beim Landesmarketing so mancher denken, der für die neue Kampagne der Landesregierung wirbt: „Danke – eine Spezialität aus Baden-Württemberg“ heißt das Projekt, das vergangene Woche in der Villa Reitzenstein von Staatsminister Willi Stächele (CDU) zunächst weitgehend unbemerktvorgestellt worden war.

Eigentlich eine prima Sache: Jeder im Land, der Grund hat, für etwas dankbar zu sein – ob Privatpersonen oder Vereine, Kommunen oder Verbände – soll seine betreffenden Landsleute zum gemeinsamen Feiern, Essen und Trinken einladen, und zwar möglichst unter Aufbietung jener Köstlichkeiten, die regionale Küche und Keller zu bieten haben.
Aus dem Genießerland, so Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) in seinem begleitenden Grußwort, solle in den nächsten Wochen ein „Feierland“ werden. Ganz Baden-Württemberg solle sich in ein Land der gastlichen Dank-Sager verwandeln. Und Gründe, stolz und dankbar zu sein, gebe es in Baden-Württemberg ja schließlich genug: vom höchsten Turm bis zur niedrigsten Arbeitslosigkeit der Republik, heißt es weiter ganz ironiefrei.

Damit aber die Festivitäten von Staats wegen auch für jedermann von einem beliebigen Heckenbeerenfeschdle oder einem Allerwelts-Kaffeeklatsch zu unterscheiden sind, gibt es als Dekoration passende Tischdecken und Banderolen mit entsprechendem Logo (Hirsch und Greif, die Tiere aus dem Landeswappen, schütteln sich dankbar und umtanzt von gelben Blüten die Hände) zu erwerben. Und das Ganze dient auch noch einem guten Zweck: Je ein Euro aus dem Erlös der Tischdecken zum Stückpreis von 4,90 Euro soll zugunsten des Fördervereins krebskranker Kinder gehen, worauf Uwe Köhn, der stellvertretende Regierungssprecher, gestern in Stuttgart hinwies. Initiatoren des dankenswürdigen Projektes sind neben dem Landesmarketing Baden-Württemberg (MBW), das für die Startphase des bis Oktober terminierten Projekts 25 000 Euro aus dem laufenden Werbebudget – Köhn: „das sind keine Extra-Mittel“ – zur Verfügung stellt, auch Edeka und der Europa-Park in Rust. Hinzu kommen noch weitere Partner wie die Landfrauen, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) oder der Südwestrundfunk (SWR).
Den Auftakt will Oettinger selbst am 4. Mai im Rahmen der baden-württembergischen Heimattage in Ulm setzen, weshalb auch Ulms SPD-OB Ivo Gönner bei der Präsentation assistierte – und womit im Übrigen erklärt ist, warum die SPD im Land sich gestern auffallend jeglicher Kritik an der Kampagne und an deren Kosten enthielt. „Da kann man dann nicht wirklich dagegen wettern“, hieß es aus der SPD-Fraktion. Die Grünen im Landtag nahmen die Steilvorlage dagegen prompt dankend an. Oettinger, forderte die parlamentarische Geschäftsführerin Theresia Bauer hinterlistig, solle mit gutem Beispiel vorangehen und sich zuerst einmal bei den Grünen für konstruktive und sachorientierte Oppositionspolitik bedanken.
Auch Teile der in jüngster Zeit nach Muttertags- und EM-Fankurve-Kampagne leicht kampagnengeschädigten Landespresse fielen, kaum war sie bekannt, reflexartig mit böser Feder über die Initiative her – zu Unrecht, wie man in der Regierungszentrale in Stuttgart findet. „Wir sind überzeugt, dass das eine gute Sache ist und finden, dass die Kritik der Idee nicht gerecht wird“, verteidigt Köhn die Initiative. „Das sind doch namhafte Partner, die da mit im Boot sind.“
Ob auf das „Feierland“ Baden-Württemberg am Ende noch eine dicke Rechnung zukommt, konnte der Sprecher indes noch nicht beantworten. Der Ministerpräsident und sein Staatsminister Willi Stächele, beide ohnehin bekannt dafür, Festivitäten nicht aus dem Weg zu gehen, werden sich jedenfalls nach Kräften persönlich für das „Feierland“ Baden-Württemberg einsetzen. Ob’s ihnen am Ende jemand dankt, muss sich noch zeigen.