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Finanzbeamtin Sandra Sawallisch hat die Roulette-Tische im Blick. Foto: dpa
Finanzbeamtin Sandra Sawallisch hat die Roulette-Tische im Blick. Foto: dpa
03.01.2017

Finanzbeamtin Sandra Sawallisch: Die Frau, die nicht spielt

Um gleich mit einem Klischee aufzuräumen: Nein, wer im Auftrag des Staates die Spielbanken kontrolliert, dem gleiten nicht jeden Tag Millionen durch die Hand. Nicht mal Hunderter. Und besonders kommunikativ ist der Job auch nicht. Der Saal in der Spielbank Stuttgart ist in dezentes Licht gehüllt. Noch sind kaum Gäste hier. Die Croupiers machen sich bereit. Und Sandra Sawallisch ist schon höchst konzentriert. Die Finanzbeamtin ist sozusagen das Auge des Staates an den Spieltischen. Sie kontrolliert die Spielbank im Auftrag des Landes Baden-Württemberg.

Ohne sie fällt hier keine Kugel, wird keine Karte aufgedeckt. Das wachsame Auge eines Finanzbeamten ist Pflicht in Deutschlands Spielbanken. Doch das bringt gewöhnungsbedürftige Arbeitszeiten mit sich.

Spielbank Stuttgart, 14.45 Uhr: Bevor die ersten Einsätze gemacht werden können, lässt sich die 33-Jährige von den Croupiers an den Roulette-Tischen den Ersteinsatz vorzählen. Satte 100.000 Euro – aufgeteilt auf jeder Menge blauer, grüner, gelber und roter Plastik-Spielmarken. Die Augen von Sandra Sawallisch haben alles genau im Blick. Wie die meisten hier trägt sie schwarz. Jackett wie Bluse. Dezent eben.

Ungewöhnlich ist dieser Job, aber eben auch ungewöhnlich unkommunikativ. Denn reden darf Sandra Sawallisch nicht. Es sollen keine Gespräche mit Besuchern der Spielbank und Croupiers stattfinden, Abstimmungen mit Saalchefs sind auf das Nötigste reduziert. Die Frau mit den schulterlangen blonden Haaren ist stumme Beobachterin des Spielbetriebs. Nicht selten wird es vier oder fünf am Morgen, bis Sandra Sawallisch daheim ist. „Die Schichten müssen einem liegen“, sagt sie über ihren ungewöhnlichen Arbeitsplatz, den sie selbst als „exotisch“ bezeichnet. Am Ende des Abends ermittelt sie zusammen mit dem Kassierer und dem Saalchef den Bruttospielertrag, damit die Spielbankabgabe an das Land berechnet werden kann. Und das kann eine immense Summe sein. Im Jahr 2015 hatte die Spielbank Stuttgart einen Bruttospielertrag von 37 Millionen Euro. Die Spitzengewinne bewegen sich im sechsstelligen Bereich. Schwer abschätzen lässt sich, was an einem Abend umgewälzt wird, da zum Schluss nur der Gewinn oder Verlust festgestellt wird. 285.000 Besucher verzeichnete die Spielbank in Stuttgart im vergangenen Jahr, womit sie nach Berlin und Duisburg bundesweit an dritter Stelle liegt. Das Casino in Baden-Baden verbuchte 206.000 Besuchern. In Konstanz waren es 99.000. Insgesamt nahm das Land in vergangenen Jahr 78,31 Millionen Euro durch seine Spielbanken ein. 52,26 Millionen Euro stammen aus dem Automatenspiel. Die klassischen Spiele wie Roulette, Black Jack, Poker, Baccara und Punto Banco brachten dem Fiskus 26 Millionen Euro ein.

Selbst spielen darf Sandra Sawallisch nicht. Wie für die Mitarbeiter ist das Spielen für sie untersagt. Sie würde aber auch gar nicht wollen. Nicht mal Lotto spiele sie. „Es reizt mich einfach nicht“, sagt sie – und ist deshalb bestens geeignet für den Job der Kontrolleurin. „Es wäre mir zu schade ums Geld.“ Im Gegensatz zu den meisten Deutschen begegnet sie den großen und lilafarbenen 500-Euro-Scheine tagtäglich. „Aber ich nehme das Geld nie selbst in die Hand.“