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Fledermäuse könnten den Stuttgart-21-Weiterbau verhindern.
Fledermäuse könnten den Stuttgart-21-Weiterbau verhindern.
05.01.2012

Fledermäuse drohen S-21-Weiterbau zu stoppen

Stuttgart. Der für Anfang kommender Woche geplante Abriss des Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes für das Bahnprojekt Stuttgart 21 könnte durch Fledermäuse verhindert werden. Die Bauherrin Bahn müsse sicherstellen, dass Erschütterungen beim Abbruch des Bauwerkes nicht die Winterruhe der Fledermäuse im benachbarten Schlossgarten stören, teilte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) am Mittwoch mit. Die Genehmigungsbehörde für die Bahn betonte, artenschutzrechtliche Konflikte müssten ausgeschlossen oder durch geeignete Maßnahmen vermieden werden.

Auch die Parkschützer gehen davon aus, dass der Südflügel nicht am Montag (9. Januar) abgetragen wird, da für den Abend noch eine Anti-S-21-Demonstration vor dem Gebäudeteil genehmigt worden sei.

Mit der Auflage des EBA wird auch der Termin für die Räumung des Tipidorfes im Schlossgarten am Donnerstag kommender Woche (12. Januar) immer unwahrscheinlicher. In den alten Bäumen, die gefällt werden sollen, hausen eben jene Fledermäuse, deren Winterruhe geschützt werden soll. Nach Auskunft des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dauert die Winterruhe der großen Abendsegler und anderer Fledermausarten mindestens bis Mitte/Ende Februar. Dann beginnt aber auch schon die Vegetationsperiode, in der Bäume nicht gefällt werden dürfen.

Der Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle hatte bereits in Absprache mit Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) angeordnet, dass keine Polizisten ausrücken, solange nicht klar ist, dass sich an eine mögliche Räumung unmittelbar Baumaßnahmen anschließen. «Wir wollen keine leere Wiese schützen», fügte ein Stadtsprecher hinzu. Auch ein «Katz-und- Maus-Spiel» zwischen Polizei und Bewohnern des Zeltdorfes müsse vermieden werden. Allerdings werde die Verfügung der Stadt für eine Räumung des Schlossgartens bis zum Morgen des 12. Januar aufrechterhalten.

Nach Ansicht der Landtags-Grünen muss die Bahn auf weitere Bauarbeiten am umstrittenen Tiefbahnhof zunächst einmal verzichten. Es liege noch kein vollständiges Baurecht vor, sagte der Vizechef der Landtagsfraktion, Andreas Schwarz, am Mittwoch in Stuttgart. «Bekommt die Bahn kommende Woche kein grünes Licht vom Eisenbahn-Bundesamt, um die Bäume im Schlossgarten zu fällen und umzusetzen, sollte sie auch den Abriss des Südflügels vorerst verschieben.» Für die SPD-Fraktion machte Nikolaos Sakellariou deutlich, dass die Polizei nur dann zum Schutze der S-21-Baustelle tätig werde könne, wenn Rechtssicherheit bestehe. Diese Sicherheit bestehe nicht für die Baumfällarbeiten im Mittleren Schlossgarten, aber für den Abriss des Südflügels.

Die unterschiedlichen Positionen innerhalb der Koalition kommentierte verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Jochen Haußmann: «Offenbar können die Grünen das Zündeln nicht lassen.» Für den Abriss des Südflügels liege das Baurecht vor.

Unbekannte beschädigten während der vergangenen zweieinhalb Wochen erneut Rohre des Grundwassermanagements. Wie die Stuttgarter Polizei am Mittwoch mitteilte, betrug der Sachschaden mehrere tausend Euro. dpa