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Der VfB Stuttgart-Profi Zdravko Kuzmanovic spricht in Winnenden im Rahmen des Projekts Zweikampfverhalten mit Jugendlichen des SV Winnenden. Das Projekt Zweikampfverhalten will Jugendlichen vermitteln, wie Auseinandersetzungen fair bleiben - beim Fußball und im Alltag.
Der VfB Stuttgart-Profi Zdravko Kuzmanovic spricht in Winnenden im Rahmen des Projekts Zweikampfverhalten mit Jugendlichen des SV Winnenden. Das Projekt Zweikampfverhalten will Jugendlichen vermitteln, wie Auseinandersetzungen fair bleiben - beim Fußball und im Alltag. © dpa
24.01.2013

Flirttraining für junge Fußballer soll Aggressionen hemmen

Winnenden (dpa/lsw) - Im Fußball schießt man schnell mal über das Ziel hinaus. Das Projekt Zweikampfverhalten will Jugendlichen vermitteln, wie Auseinandersetzungen fair bleiben - auf dem Platz und im Alltag.

Für die Jungs des SV Winnenden könnte der Tag nicht schöner enden: Der Profi des VfB Stuttgart, Zdravko Kuzmanovic, sitzt neben ihnen auf der Sportbank und beantwortet ihre Fragen. «Hast du schon mal eine Rote Karte bekommen?», will der 14-jährige Moritz wissen. Sogar zwei, gibt der 25-Jährige zu, «wegen eines Wutausbruchs und wegen eines taktischen Fouls.» «Zu Recht?», wird nachgehakt, und Kuzmanovic bestätigt: «Völlig zu Recht.»

Verantwortung übernehmen, Fehler einräumen und fair bleiben, das lernen die sechs Nachwuchsfußballer im Projekt Zweikampfverhalten. Der gleichnamige Verein hat das Projekt 2008 in Hamburg ins Leben gerufen, um mit auffälligen Jugendlichen soziale Kompetenzen zu trainieren - Kommunikationsmittel ist der Fußball. «Durch Teamsport erlernt man Regeln, ohne es zu merken», sagt Rebekka Salome Henrich, Gründerin der Projekts. Wie man mit Schwächeren umgeht, zum Beispiel, oder welche Konsequenzen gewaltsamen Verhalten nach sich zieht.

Randalierende Fans, Fußballer und Trainer, die sich aggressiv gegenüber Mitspielern oder Schiedsrichtern verhalten - Gewalt im Fußball ist fast Tagesgespräch. Projektbetreuer Peter Reichert aber ist sich sicher: «Das Problem ist nicht der Fußball.» Reichert ist ehemaliger VfB-Spieler und jetziger Fanbeauftragter des VfB Stuttgart. Seiner Meinung nach entsteht Aggressivität nicht durch den Sport, sondern resultiert aus «der fehlenden Kompetenz sich auszudrücken.»

Aus eben diesem Grund ist auch ein Rhetoriktraining, ein Benimmkurs und sogar ein Flirttraining Teil des dreimonatigen Projekts. Es geht darum, seine Probleme verbal zu lösen und auf andere zuzugehen. Wer das auf dem Fußballplatz hinbekommt, der meistert auch eine Auseinandersetzung im Alltag. «Cool ist, wer in stressigen Situationen ruhigbleibt», meint Moritz. Ob er das vor dem Projekt auch so gesagt hätte? Wahrscheinlich nicht, räumt der Achtklässler ein.

Im Süden findet das Projekt nun zum dritten Mal in Kooperation mit der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart statt. Finanziert wird es vom Württembergischen Fußballverband. Alexander Jänel, Fußball-Abteilungsleiter des SV Winnenden, war von der Idee von Anfang an begeistert. «Als Verein haben wir eine große gesellschaftliche Aufgabe», sagt Jänel. Im Sport wie im Alltag stehe der gegenseitige Respekt an erster Stelle. «Darum wollen wir vermitteln: Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Und mehr nicht.»

Für die C-Jugendmannschaft des Vereins ist Fußball heute die unbestrittene Hauptsache. Denn Zdravko Kuzmanovic bleibt zum Training. Wenn der Profi einen Pass quer durch die Halle spielt, werden die Jungs gleich fünf Köpfe größer. «Das ist die schönste Trainingseinheit, die wir je hatten», schwärmt Thomas. Später will er auch mal Profifußballer werden, erzählt der 13-Jährige noch - dann muss er los, denn er wird als Torwart gebraucht.