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In einem Unterkunftsgebäude der Karlsruher Landeserstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende ist ein Masern-Fall aufgetreten. Jetzt müssen alle 900 Flüchtlinge dort geimpft werden.
In einem Unterkunftsgebäude der Karlsruher Landeserstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende ist ein Masern-Fall aufgetreten. Jetzt müssen alle 900 Flüchtlinge dort geimpft werden. © dpa
15.07.2014

Flüchtlingsaufnahme wegen Masern geschlossen - 900 Flüchtlinge werden geimpft

Die Erkrankung eines Kindes mit Masern alarmiert die Behörden. Die baden-württembergische Erstaufnahme für Asylbewerber ist erst einmal lahmgelegt. Kirchliche Sozialberater sehen in dem Fall ein Symptom für Missstände in der Einrichtung.

Nach einer Masern-Infektion in der zentralen Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) in Karlsruhe bleibt die Einrichtung mindestens bis Montag geschlossen. «Niemand wird derzeit dort neu aufgenommen und niemand verlegt», sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums am Dienstag. Sozialarbeiter sehen in der neuen Situation einen Beleg für die Missstände in der LEA.

«Der Krankheitsfall ist symptomatisch für den allgemeinen Zustand dieser Einrichtung», sagte Beate Deckwart-Boller vom Diakonischen Werk der evangelischen Kirche. Mit der katholischen Caritas und dem Freundeskreis Asyl trägt die Diakonie die unabhängigen Verfahrens- und Sozialberater in der LEA im Rahmen eines 2013 gestarteten Projekts der Landesregierung. «Die medizinische Versorgung ist unzureichend», sagte Deckwart-Boller. Jetzt sei zu hoffen, dass unbürokratisch Möglichkeiten bereitgestellt werden könnten, um ankommende Flüchtlinge trotzdem unterzubringen.

In der Hauptstelle der LEA in der Durlacher Allee war nach Angaben des zuständigen Landratsamtes in der vergangenen Woche ein dreijähriges Kind an Masern erkrankt. Es befindet sich in Begleitung seiner Mutter im Krankenhaus. Alle etwa 900 Flüchtlinge, die sich im Moment in der Hauptstelle befinden, würden seit Montag geimpft, sagte Vize-Landrat Knut Bühler, der in der Behörde für Gesundheit zuständig ist. Die großangelegte Impfaktion sollte bis Mittwoch beendet sein.

Die neun Karlsruher Außenstellen der LEA mit rund 850 Flüchtlingen sind von den Maßnahmen nicht betroffen. In der Außenstelle Mannheim waren bereits am vergangenen Freitag alle rund 550 Flüchtlinge geimpft worden, nachdem einige von ihnen zuvor mit dem Kind während der Eingangsuntersuchung in Kontakt gekommen waren.

Eine Masernerkrankung in Flüchtlingsunterkünften sei hierzulande sehr selten, sagte Bühler. Bei den verbindlichen Eingangsuntersuchungen, denen Flüchtlinge sich unterziehen müssen, bevor sie in Gemeinschaftsunterkünfte kommen, seien die häufigsten Erkrankungen Scabies (Krätze) sowie Tuberkulose. Sollten Flüchtlingen sich der Impfung verweigern, würden sie vorsorglich isoliert werden. Bislang habe sich aber jeder impfen lassen.

Alle Flüchtlinge, die in Baden-Württemberg neu ankommen, werden zunächst in der LEA untergebracht und von dort nach durchschnittlich vier Wochen auf die Landkreise und Kommunen verteilt. Wegen der Schließung der Hauptstelle waren am Wochenende zwei Notunterkünfte angemietet worden, um alle Neuankömmlinge aufnehmen zu können.

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