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Immer mehr Flüchtlinge im Südwesten. Symbolbild
Immer mehr Flüchtlinge im Südwesten © dpa
08.09.2014

Flüchtlingszahl steigt im Südwesten rasant an

Die Zahl der von der Bundespolizei entdeckten Flüchtlinge im Südwesten schnellt in die Höhe. Wie dringend eine zweite Erstaufnahmestelle für Asylbewerber ist, machen schon Vorfälle am Stuttgarter Hauptbahnhof deutlich.

Die Bundespolizisten in Baden-Württemberg greifen in diesem Jahr an Grenzen und Bahnhöfen deutlich mehr Flüchtlinge auf als 2013. Von Januar bis August 2014 seien im Südwesten rund 5200 Ausländer registriert worden, die ohne Papiere unterwegs waren, wie eine Sprecherin am Montag sagte. Dies sei ein Anstieg um 240 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein im Zuständigkeitsbereich der Stuttgarter Bundespolizei wurden 590 Flüchtlinge ermittelt.

Und der Trend hält an: Seit Ende August seien am Stuttgarter Bahnhof etwa 280 Flüchtlinge aufgegriffen worden. Erst am späten Sonntagabend und frühen Montagmorgen holten die Beamten 61 Flüchtlinge aus Fernzügen, die in Stuttgart ankamen. Darunter waren Menschen aus Syrien, Eritrea und Afghanistan. Sie alle baten um Asyl in Deutschland. Unter den Flüchtlingen waren 17 Kinder und Jugendliche.

Eine Familie kam nach Angaben der Sprecherin aus Italien über Österreich und Bayern. Die anderen Flüchtlinge würden noch vernommen. Es sei aber wahrscheinlich, dass diese denselben Weg gewählt hätten.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte angesichts dieser Routen und mit Blick auf EU-Regeln zur Flüchtlingsaufnahme: «Italien verstößt klar gegen das Schengen-Abkommen. Wenn das nicht abgestellt wird, muss Deutschland ernsthaft erwägen, durch Kontrollen an der Grenze diesen Verstoß zu stoppen.» Die EU-Länder seien sehr unterschiedlich betroffen, deshalb müssten feste Quoten vereinbart werden. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge in Europa gerecht verteilt werden», sagte er der «Bild»-Zeitung (Montag).

In der Nacht zum Samstag hatten die Bundespolizisten 60 Syrer und vier Eritreer Hauptbahnhof in Stuttgart entdeckt. Eine Nacht später griff die Polizei dort 27 Flüchtlinge aus Syrien und 13 aus Eritrea auf.

Die im Südwesten aufgegriffenen Asylsuchenden kommen zur Landeserstaufnahmestelle (LEA) für Flüchtlinge nach Karlsruhe. Dort bleiben sie in der Regel einige Wochen und werden dann zur sogenannten vorläufigen Unterbringung auf die übrigen Stadt- und Landkreise verteilt. Wegen der wachsenden Zahl ankommender Flüchtlingen - Baden-Württemberg rechnet in diesem Jahr mit rund 23 000 - ist die Karlsruher Einrichtung chronisch überbelegt. Abhilfe soll eine zweite LEA in der Zollernalbkaserne in Meßstetten schaffen. 

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