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Forscher: Poppiges E-Zigaretten-Design macht Kinder zu Dampfern.
Forscher: Poppiges E-Zigaretten-Design macht Kinder zu Dampfern © dpa
03.12.2014

Forscher: Poppiges E-Zigaretten-Design macht Kinder zu Dampfern

Heidelberg (dpa/lsw) - Mit poppigem Design und fruchtigen Geschmacksrichtungen werden aus Sicht von Krebsforschern auch Kinder und Jugendliche zum Dampfen elektrischer Zigaretten verleitet. Das sei gefährlich, denn noch seien Langzeitfolgen des Konsums weitgehend unbekannt, teilte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) am Mittwoch in Heidelberg mit.

Eine Forderung der Forscher: «Die Verpackungen und Geräteformen aller E-Inhalationsprodukte sollten umgehend standardisiert werden, um kinder- und jugendgerechtem Design vorzubeugen.» Das DKFZ fordert zudem ein Verkaufsverbot an Jugendliche sowie ein Werbeverbot für die elektornischen Zigaretten und Tabakprodukte.

Auch der Geschäftsführer des Landesjugendrings Baden-Württemberg, Jürgen Dorn, sieht eine Gefahr. «Ich finde es nicht gut, wenn man versucht, durch entsprechende Werbung zu einem Suchtverhalten zu animieren», sagte er. Ob ein Jugendlicher vom bunten Design einer E-Zigarette angesprochen werde, sei zwar sehr individuell. Produktdesigner wüssten aber genau, worauf sie achten müssten, um eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen.

Einer am Mittwoch präsentierten DKFZ-Publikation zufolge vermittelt aggressives Marketing den Eindruck, E-Zigaretten seien Lifestyle-Produkte. «Knallbunte und strassbesetzte Geräte und Sorten wie "Tutti Frutti" oder "Schokolade" verführen Kinder und Jugendliche zum Ausprobieren von E-Zigaretten», kritisierte die Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention beim DKFZ, Martina Pötschke-Langer. In dem Heidelberger Institut treffen noch bis Donnerstag rund 250 Experten und Politiker aus zehn Ländern zur zwölften Konferenz für Tabakkontrolle zusammen.

Der Verband des eZigarettenhandels wendet ein, elektrische Zigaretten würden an Stellen verkauft, an denen Kinder nichts zu suchen hätten, wie etwa in Tabakgeschäften. «Süßigkeiten für Kinder und Jugendliche werden an ganz anderen Orten präsentiert als E-Zigaretten», sagte Verbandschef Dac Sprengel. «Wir haben uns selbst verpflichtet, nicht an Jugendliche zu verkaufen.» Der Verband vertritt nach eigenen Angaben 70 Prozent der Händler, die E-Zigaretten verkaufen.

Ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart hat andere Erfahrungen gemacht. «Jugendliche kommen da ganz locker ran, sie müssen dazu noch nicht einmal in ein Tabakgeschäft gehen, sondern nur an einen Kiosk», sagte er. «Wenn man in Stuttgart jemanden dampfen sieht, dann sind es in der Regel junge Menschen.» Auch dem DKFZ zufolge werden E-Zigaretten wie Tabakzigaretten im Internet, an Tankstellen, Supermärkten und Kiosken verkauft und beworben.

In dem baden-württembergischen Nichtraucherschutzgesetz sind E-Zigaretten nach Ministeriumsangaben Tabakzigaretten gleichgestellt. Wo nicht geraucht werden dürfe, sei auch das Dampfen verboten, erläuterte der Sprecher. In Nordrhein-Westfalen hatten E-Zigaretten-Raucher Anfang November allerdings einen Etappensieg vor Gericht errungen: Der Konsum der elektrischen Zigaretten bleibt danach in dortigen Gaststätten erlaubt. Ähnliche Klagen gibt es dem Sprecher zufolge im Südwesten bislang nicht.