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12.03.2015

Frau schlägt Mann - Stuttgart will Tabu aufbrechen

Stuttgart. Mit einem Pilotprojekt will die Stadt Stuttgart Männer schützen, die von ihren Partnerinnen bedroht werden. Bundesweit gebe es bisher nur wenig - meist nur ehrenamtlich betreute - Anlaufstellen für geschlagene Männer.

435 Frauenhäusern stünden drei Männerhäuser gegenüber. Männliche Opfer und weibliche Täterinnen passten nach wie vor nicht in die vorherrschenden Rollenbilder, sagte Ursula Matschke von der Stabsstelle für Chancengleichheit. Dabei sei mindestens jedes zehnte Opfer von Gewalt in der eigenen Wohnung ein Mann. Zudem sei von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen. Die Stabsstelle hat eine Beratungsstelle speziell für Männer eingerichtet.

Männer seien in dieser Situation zweifach betroffen, so Matschke: Zum einen als Opfer von Gewalt, zum anderen würden sie in der Gesellschaft gerne als «Weichei» stigmatisiert. Viele Taten von Frauen blieben schon deshalb unerkannt, weil sich männliche Opfer gar nicht erst zur Polizei trauen. Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg liegt die Zahl der weiblichen Opfer in den gemeldeten Fällen meist gut fünfmal so hoch wie bei Männern.