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Wegen Menschenhandel steht eine zehnköpfige Gruppe vor Gericht, die vor allem Rumäninnen nach Deutschland gelockt und zum Sex in "Flatrate"-Bordellen gezwungen haben soll.
Wegen Menschenhandel steht eine zehnköpfige Gruppe vor Gericht, die vor allem Rumäninnen nach Deutschland gelockt und zum Sex in "Flatrate"-Bordellen gezwungen haben soll. © dpa
08.03.2011

Frauen in "Flatrate"-Bordellen zum Sex gezwungen

STUTTGART. Ein unmenschliches und niederträchtiges Geschäftsmodell wird von Freitag an in einem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht verhandelt: Eine Bande von neun Männern und einer Frau soll Frauen nach Deutschland geschleust und zur Prostitution gezwungen haben. Mindestens 21 Frauen, darunter auch Minderjährige, sollen der Anklage zufolge aus Rumänien hierher gebracht worden sein. Einige von ihnen haben auch in den «Flatrate»-Bordellen gearbeitet, von denen zwei in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) und Heidelberg standen und in denen Freier zu einem Festpreis mit so vielen Frauen schlafen konnten, wie sie wollten.

Den Angeklagten, von denen die meisten in Untersuchungshaft sitzen, drohen mehrjährige Gefängnisstrafen. Auf zwei 34 und 36 Jahre alte Hauptangeklagte dürfte sich der Prozess wegen gemeinschaftlichen schweren Menschenhandels besonders konzentrieren. Sie sollen die Drahtzieher der Organisation sein und die Strukturen für den Menschenhandel geschaffen haben. Etwa von 2004 an sollen sie nicht mehr nur Frauen für eigene Bordelle eingeschleust haben, sondern sie auch an andere Clubs abgegeben haben. Die beiden haben aus Sicht der Ankläger dem Gesetzgeber zudem rund 2,7 Millionen Euro Sozialabgaben vorenthalten.

Es sei den Tätern vor allem um maximalen Profit gegangen, hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart bei Anklageerhebung erklärt. Ihnen sei egal gewesen, ob die Frauen unter 21 Jahren alt waren, ob sie schon einmal der Prostitution nachgegangen waren oder ob sie sich aus freien Stücken dafür entschieden haben. Weil sie häufig kein Deutsch sprachen, habe man sie besser einschüchtern und zu 14-stündigen Arbeitstagen zwingen können.

Prozesse dieser Art gelten als schwierig, weil den Angeklagten nachgewiesen werden muss, dass sich die Frauen auf illegale Art prostituierten, zum Beispiel, weil sie keine Pausen hatten oder auch bei Krankheit zum Geschlechtsverkehr gezwungen wurden. Der Gesetzgeber debattiert derzeit über ein Verbot des «Flatrate»-Modells und über eine Meldepflicht für Bordelle. dpa