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Vor allem Gaststätten, Vereine und Unis wollen Public-Viewing bei der Fußballfrauen-WM anbieten. Foto. dpa
frauen-wm © dpa
20.06.2011

Frauen-WM: Public-Viewing in Kneipen und Unis

STUTTGART/HEIDELBERG/SINSHEIM. Es ist Frauenfußball-WM und niemand weiß, wie viele Menschen sich dafür interessieren. Die Kommunen halten sich deshalb mit Angeboten für Public Viewing zurück. Sie überlassen das Feld den Gastwirten, Vereinen und Unis.

Ein Sommermärchen light soll die Frauenfußball-Weltmeisterschaft werden. Doch wie groß die Begeisterung im Vergleich zur Männer-WM 2006 wird, kann niemand abschätzen. Die Kommunen halten sich nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa deshalb mit Public-Viewing-Angeboten zurück. Vor allem Gaststätten, Vereine und Universitäten wollen die Frauen-WM auf die Großleinwand zu bringen.

Die Landeshauptstadt Stuttgart verzichtet auf eine Großveranstaltung und verweist auf den Biergarten im Schlossgarten. «Sollten die Damen ein Sommermärchen schreiben, mit dem sie viele Menschen in den Bann ziehen, werden sicher weitere Kneipen, Cafés oder Bars Public Viewing anbieten», sagte ein Sprecher der Stadt.

Ähnlich die Reaktion aus Karlsruhe: Bei der Männer-WM habe man das Feld auch den Kneipen und Vereinen überlassen, sagt eine Sprecherin. Damals stellte auch die Sportabteilung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) eine Leinwand auf und zählte bei neun Spielen immerhin 15 000 Zuschauer. «Diesmal werden es wohl nicht so viele werden», sagt eine Sprecherin. «Aber wer weiß, vielleicht kommt die Euphorie mit dem Erfolg der Mannschaft.»

Die Stadtverwaltung Mannheim wartet noch auf Vorschläge und Anfragen privater Organisatoren. «Für die Frauen-WM ist noch kein Veranstalter an uns herangetreten, der ein Public Viewing machen will. Die Gastwirte sind noch verhalten und warten ab. Sie wollen spontan auf die Nachfrage reagieren.» Bei der Männer-WM 2006 habe die Stadt die örtliche Brauerei bei ihrer öffentlichen Übertragung unterstützt.

Zurückhaltung auch in Konstanz und Heilbronn, wo ebenfalls Kneipen die Großleinwände organisieren. «Wir rechnen schon mit regem Zulauf», sagt etwa Tatjana Janzen von der Hafenhalle in Konstanz. In Heilbronn gibt es immerhin einen Plan B: «Wir haben vorgesorgt und bei einer Steigerung der Euphorie für das Finale die Harmonie reserviert», erzählt Stadtmarketing-Geschäftsführer Bernhard Winkler. Die Harmonie ist das Kultur- und Kongresszentrum der Stadt.

Offenburg gehört zu den wenigen Kommunen, die Geld für die Übertragung in die Hand nehmen. Alle Spiele mit deutscher Beteiligung werden auf dem Marktplatz übertragen. Das lässt sich die Stadt etwa 30 000 Euro kosten, die durch Sponsoring weitgehend gedeckt werden sollen. In Lörrach können Fußballfans die Spiele der deutschen Mannschaft und alle Partien nach dem Viertelfinale im Alten Wasserwerk mitverfolgen.

Die Universitätsstadt Heidelberg organisiert keine Veranstaltungen, kann jedoch mit anderen Attraktionen aufwarten. Ein US-amerikanischer TV-Sender will vom 30. Juni bis 4. Juli ein gläsernes Studio auf dem Marktplatz einrichten. «Das ist zwar kein Public Viewing, aber der Sender will Interviews und die WM-Stimmung aus Deutschland in amerikanische Wohnzimmer übertragen», sagt eine Sprecherin. Und wer Glück hat, bekommt sogar die ein oder andere Spielerin leibhaftig zu sehen, denn in Heidelberg beziehen mehrere Nationalmannschaften Quartier: aus Nigeria, Frankreich, USA, Kolumbien, Neuseeland und Mexiko. Die ersten Teams reisen bereits am 21. Juni an. dpa