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Blumen, Kerzen, Abschiedsbriefe lagen 2016 auf dem Marktplatz in Endingen zum Gedenken an die getötete Joggerin. Die 27 Jahre alte Frau war von einem rumänischen Lkw-Fahrer vergewaltigt und getötet worden. 

Frauenmorde in Endingen und Kufstein: Lkw-Fahrer vor Gericht

Endingen/Freiburg. Der Mord an einer 27 Jahre alten Joggerin in Endingen bei Freiburg kommt vor Gericht. Es ist ein Kriminalfall mit internationaler Dimension. Der Angeklagte soll auch in Österreich gemordet haben.

Der Sexualmord an der 27 Jahre alten Joggerin in Endingen bei Freiburg erschütterte eine ganze Region. Die junge Frau wurde an einem verregneten Sonntagnachmittag Opfer eines Verbrechers, der ihr in den Weinbergen auflauerte, sie vergewaltigte und tötete. Vor dem Landgericht Freiburg beginnt am Mittwoch der Prozess. Der Angeklagte ist ein mutmaßlicher Mehrfachmörder. Er soll bereits 2014 in Kufstein in Österreich eine Studentin ermordet haben.

Verhandelt wird, so heißt es aus Ermittlerkreisen, ein besonders grausames Verbrechen. Der Täter ist demnach äußerst brutal vorgegangen. Die junge Frau im rund 9000 Einwohner zählenden Endingen war alleine joggen und nicht wieder zurückgekehrt. Nach einer tagelangen Suchaktion wurde ihre Leiche in einem kleinen Waldstück in den Weinbergen zwischen Endingen und dem Nachbarort Bahlingen gefunden. Den Ermittlern, so berichten sie, bot sich ein Bild des Grauens. Die Frau war vergewaltigt und ermordet worden.

Vor Gericht steht nun ein 40 Jahre alter Lastwagenfahrer aus Rumänien. Ihm wird, neben der Tat in Endingen, der Mord an einer 20 Jahre alten französischen Austausch-Studentin aus Lyon im Januar 2014 im rund 400 Kilometer von Endingen entfernten Kufstein in Österreich zur Last gelegt. An beiden Tatorten waren identische Spuren gefunden worden, zudem ähnelten sich die Taten. Als Tatwaffe in Kufstein diente, ähnlich wie in Endingen, eine Eisenstange. Mit Schlägen auf den Kopf wurden die beiden jungen Frauen getötet.

Festgenommen wurde der Familienvater, der als Lastwagenfahrer viel unterwegs war und zuletzt bei Freiburg lebte, im Juni diesen Jahres - und damit rund sieben Wochen nach dem Mord an der Joggerin - an seinem Arbeitsplatz, einer Spedition in Endingen. Er sitzt in Haft.

Die Anklage lautet auf Mord und besonders schwere Vergewaltigung. Dem 40-Jährigen drohen somit lebenslange Haft sowie möglicherweise anschließende Sicherungsverwahrung. Nach seiner Festnahme habe der Mann mit den Ermittlern gesprochen und ihnen Einblicke in sein Leben gewährt, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg, Michael Mächtel. Zu den Tatvorwürfen jedoch habe er sich aber bis heute den Ermittlern gegenüber nicht geäußert.

Wegen des erwarteten großen Besucher- und Medieninteresses wird es für den Prozess erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben, sagt ein Sprecher des Landgerichts Freiburg. Es sollen zehn Zeugen und sechs Sachverständige gehört werden. Geplant seien zunächst acht Verhandlungstage, ein Urteil soll es demnach Ende Dezember geben.

Die Eltern der in Endingen Ermordeten sowie der Ehemann treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Hinzu kommt ein psychiatrischer Gutachter. Er wird vor den Plädoyers eine Gefährlichkeitsprognose erstellen. Von dieser hängt ab, ob Sicherungsverwahrung möglich ist.

Verhandelt wird nur der Mord in Endingen. Danach prüft die Justiz in Österreich das weitere Vorgehen, erklärt Staatsanwalt Hansjörg Mayr von der Staatsanwaltschaft Innsbruck. Nach einem Urteil des Freiburger Gerichts könnte das in Österreich zuständige Gericht dem Strafmaß anschließen oder eine höhere Zusatzstrafe verhängen.

Das Freiburger Urteil müsse aber erst rechtskräftig sein. Zudem sein dann ein zweiter Prozess in Österreich möglich. Darüber entschieden werde jedoch frühestens nächstes Jahr. In dem Freiburger Prozess werden Experten aus Österreich zunächst als Zeugen gehört.

Nach der Festnahme des 40-Jährigen waren über weitere Taten in Rumänien spekuliert worden. Hinweise darauf gebe es aber bis heute nicht, sagt der Freiburger Staatsanwalt Mächtel. Zudem war der mutmaßliche Mehrfachmörder im Freiburger Gefängnis von anderen Gefangenen angegriffen und schwer verletzt worden. Hier laufen die Ermittlungen noch, sagt Mächtel. Es gebe Hinweise und Verdächtige, aber noch kein Ergebnisse. Der nun Angeklagte wurde nach dem Angriff verlegt, er sitzt mittlerweile nicht mehr in Freiburg ein.

Für das Freiburger Landgericht ist es der zweite große Mordprozess innerhalb weniger Wochen. Noch bis mindestens Frühjahr nächsten Jahres läuft in dem Gerichtssaal, in dem nun auch der Endingen-Mord verhandelt wird, der Prozess gegen den Flüchtling Hussein K., dem der Sexualmord an einer 19 Jahre alten Studentin zur Last gelegt wird. Dieser hatte sich drei Wochen vor der Tat in Endingen ereignet. Einen Zusammenhang zwischen den zwei Morden in und um Freiburg gibt es Justizangaben zufolge nicht.