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Amokprozess wird fortgesetzt.
Amokprozess wird fortgesetzt © dpa
28.09.2010

Freund: Amokläufer war süchtig nach Ballerspielen

STUTTGART. Das Bild des Amokläufers von Winnenden wird im Prozess gegen seinen Vater immer klarer: Der 17-Jährige ließ die Schule schleifen, hatte kaum Freunde, war geradezu süchtig nach Computer-Ballerspielen und prahlte mit Waffennachbildungen und den richtigen Pistolen und Gewehren seines Vaters. Dieser muss sich vor dem Landgericht Stuttgart in einem bislang einzigartigen Prozess verantworten.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Weil er die Tatwaffe unverschlossenen im Schlafzimmer aufbewahrt hat, machte er den Amoklauf möglich. Sein Sohn hatte am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen mit einer Waffe seines Vaters 15 Menschen und sich selbst erschossen.
Gewaltspiele wie «Counter Strike» spielte Tim K. nach Aussagen seines besten Freundes für sein Leben gerne. «Tim ging in dem Spiel voll auf», berichtete ein Polizist am Dienstag von der früheren Vernehmung des Freundes. Gemeinsam hätten sie auch Gewalt- und Horrorfilme gesehen, die erst ab 18 Jahren freigegeben waren, berichtete der Freund laut Polizei. Mit Soft-Air-Pistolen und Gewehren - mit denen Tim K. auch sein Jugendzimmer dekoriert hatte - hätten sie im Keller aber auch in einem Steinbruch geschossen. Auch mit den echten Pistolen und Gewehren des Vaters habe der 17-Jährige angegeben.
Nach Angaben der Polizei hat die Schwester von Tim K. in Chat- Einträgen im Internet berichtet, dass sich ihr Bruder etwa im Alter von 14 Jahren veränderte, keine echten Freunde mehr gehabt hat und nur noch vor dem PC saß. Daheim sei nie über Gefühle gesprochen worden, Tims schlechte Schulleistungen standen stets im Vordergrund, zitierte der Polizist aus einem Chat-Eintrag.
Die Schwester warnte im Chat davor, dass ihr Bruder manisch- depressiv werde. Aus einem Protokoll einer Schulpsychologin über Tim K. geht laut Polizei zudem hervor, dass er als «durchschnittlich intelligent» eingestuft wurde. Er habe aber ein Problem mit der Motivation. Die Eltern des späteren Amokläufers hatten 2007 das Gespräch mit der Psychologin gesucht, weil sie vermuteten, Tim sei überfordert. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.