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Der Eingang der Pfullendorfer Staufer-Kaserne der Bundeswehr in Pfullendorf. In dem Ausbildungszentrum der Bundeswehr gehen Bundeswehr und Justiz Hinweisen auf schwerwiegendes Fehlverhalten nach. Foto: dpa
Der Eingang der Pfullendorfer Staufer-Kaserne der Bundeswehr in Pfullendorf. In dem Ausbildungszentrum der Bundeswehr gehen Bundeswehr und Justiz Hinweisen auf schwerwiegendes Fehlverhalten nach. Foto: dpa
28.02.2017

Führungswechsel nach Sex-Skandal in Bundeswehrkaserne

Pfullendorf. Wegen demütigender Aufnahmerituale ist die Bundeswehrkaserne in Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) in die Schlagzeilen geraten – künftig sollen solche Handlungen mit einer besseren Aufsicht verhindert werden. „Zu 100 Prozent ausschließen, können wir das nie“, sagte Leutnant Thomas Merten im Ausbildungszentrum Spezielle Operationen. Allerdings werde ein Offizier des Wachdienstes nun abends durch die Unterkünfte der Soldaten gehen. Zudem hoffe die Kaserne auf mehr Personal, um auch nach Dienstschluss eine Aufsicht gewährleisten zu können. Diese gebe es derzeit ab dem späten Nachmittag nicht mehr.

Das Ausbildungszentrum war in die Kritik geraten, weil es dort demütigende Aufnahmerituale und entwürdigende Behandlungen von Soldaten gegeben haben soll. Nach einem internen Bericht des Verteidigungsministeriums hatten die Erniedrigungen auch einen sexuellen Hintergrund. Ausbilder zwangen untergebene Soldatinnen demnach zum Tanzen an der Stange und tasteten sie im Intimbereich ab.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Missstände als „bestürzende Zeichen für einen Mangel an Führung, Haltung und Kultur“ kritisiert. Nach den Vorfällen seien fünf Soldaten entlassen worden, sagte Merten weiter. Weitere sieben Personen seien versetzt worden, zum Teil habe es Disziplinarverfahren gegeben. Auch der Major der von einigen Vorwürfen betroffenen Inspektion sei versetzt worden, sagte Merten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Auch in der Führungsebene wird es personelle Veränderungen in der Pfullendorfer Kaserne geben: Morgen übernimmt nach Angaben der Bundeswehr Oberst Carsten Jahnel die Leitung des Ausbildungszentrums vom bisherigen Kommandeur Oberst Thomas Schmidt. Der 52-Jährige war zuletzt Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit im niedersächsischen Celle. Die Übergabe an Jahnel werde am Mittwoch bewusst klein und kurz gehalten, um „die Spannung im Haus nicht hochkochen zu lassen“, sagte Merten.