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Alice Weidel, Nummer Eins auf der Landesliste der baden-württembergischen AfD für die Bundestagswahl, hätte nach eigener Aussage nichts gegen Medien beim Kehler Parteitag der AfD gehabt. So wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.
Alice Weidel, Nummer Eins auf der Landesliste der baden-württembergischen AfD für die Bundestagswahl, hätte nach eigener Aussage nichts gegen Medien beim Kehler Parteitag der AfD gehabt. So wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. © dpa
20.11.2016

Geheimniskrämerei und Medienangst beendet: AfD hat anscheinend gewählt

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Alice Weidel wird die AfD Baden-Württemberg als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen. Sie sei mit zwei Dritteln der Stimmen auf Platz eins gewählt worden, sagte Weidel am Sonntag vor Journalisten am Rande des Landesparteitages in Kehl (Ortenaukreis), von dem die Medien ausgeschlossen worden waren. Der Parteitag hatte der Presse den Zugang verwehrt, weil die Mitglieder voreingenommene und selektive Berichterstattung befürchteten.

Nach dem Treffen im Badischen scheinen Geheimniskrämerei und Medienangst nun beendet zu sein. Die Partei sucht die Öffentlichkeit und den Kontakt zu den gescholtenen Medien. Allerdings dürfte das nicht von Dauer sein, denn die hinteren Listenplätze für die Bundestagswahl müssen erst noch im nächsten Jahr gewählt werden. Ob dann die Medien als neutrale Beobachter zugelassen werden, ist fraglich. 

Weidel, die dem Bundesvorstand angehört, machte deutlich, dass sie selbst kein Problem mit der Anwesenheit von Journalisten gehabt hätte. Sie sei aber bei der Abstimmung nicht zugegen gewesen. Es gebe auf der anderen Seite auch ein Schutzbedürfnis der Mitglieder, weil die Gewalt gegen AfD-Mitglieder deutlich zunehme, fügte sie hinzu.

Am Samstag hatten vor der Kehler Stadthalle rund 250 Menschen gegen die aus ihrer Sicht fremdenfeindliche Politik der AfD demonstriert und Presse- und Meinungsfreiheit gefordert.

Baden-Württembergs AfD, mit 3600 Mitgliedern zweitgrößter Landesverband nach Nordrhein-Westfalen, hofft, mit 15 bis 17 Abgeordneten in den Bundestag einzuziehen. Die Südwest-AfD werde voraussichtlich die zweitstärkste Landesgruppe der Partei im Bundestag sein, erläuterte Weidel. Die 37-Jährige zeigte sich sicher: „Wir werden die Fraktionsarbeit im Bundestag maßgeblich bestimmen.“

Die Mutter eines Sohnes hatte sich gegen drei Kandidaten durchgesetzt. Auf Platz zwei der Landesliste wurde der Stuttgarter Wirtschaftsprofessor und baden-württembergische Landeschef Lothar Maier gewählt, gefolgt von seinem Stellvertreter an der Landesspitze und AfD-Vordenker Marc Jongen. Auf Platz vier landete der Bundeschef der Jungen Alternative für Deutschland und Mitglied im Landesvorstand Markus Frohnmaier.

Mit diesem Ergebnis setzte sich ein Quartett führender AfD-Politiker durch, die sich zuvor darauf verständigt hatten, nicht gegeneinander anzutreten. Ein Vertreter der radikaleren Strömung „Der Flügel“ um den thüringischen Landeschef Björn Höcke, Thomas Seitz, landete auf Platz fünf. Der Stuttgarter Stadtrat Maier betonte mit Blick auf die aussichtsreichsten Listenplätze vor den Pressevertretern: „Wir können Ihnen nicht in Aussicht stellen, dass es irgendwelche Grabenkämpfe unter uns geben wird.“ Maier hatte sich im Landesvorstand für den Ausschluss der Presse eingesetzt, weil er befürchtete, dass diese nur Aussagen von Rednern mit „abstrusen Ansichten“ aufspieße und damit die AfD diskreditiere.

Die Partei rechnet allerdings an dem gesamten Wochenende nur damit, die Listenplätze bis Platz acht besetzen zu können. Die übrigen 30 Kandidaten werden bei einem weiteren Treffen Anfang 2017 bestimmt.