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Das mit Spannung

erwartete Ergebnis des Stresstests zur Leistungsfähigkeit von

Stuttgart 21 wird erst eine Woche später präsentiert. Foto: dpa
Das mit Spannung erwartete Ergebnis des Stresstests zur Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 wird erst eine Woche später präsentiert. Foto: dpa © dpa
08.07.2011

Geißler: Stresstest wird erst später präsentiert

STUTTGART. Die Hängepartie um das Milliardenprojekt Stuttgart 21 geht weiter. Das mit Spannung erwartete Ergebnis des Stresstests zur Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs wird womöglich erst Ende Juli oder Anfang August präsentiert.  

Der Grund: Die Schweizer Verkehrsberatungsfirma sma kann erst am 21. Juli und nicht wie ursprünglich geplant am kommenden Montag ihr Gutachten liefern. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Freitag am Rande des Treffens der Projektgegner und -befürworter mit Schlichter Heiner Geißler. Ursprünglich sollte das entscheidende Gutachten bereits am 14. Juli vorgestellt werden, da die Bahn einen Tag später wichtige Aufträge vergeben will.

 

Die Bahn besteht dem Vernehmen nach bislang aber weiter darauf, Tunnelarbeiten im Volumen von 750 Millionen Euro vom 15. Juli an zu vergeben. Andernfalls drohten eine Verzögerung der Inbetriebnahme des Bahnhofs von 18 Monaten und immense Folgekosten, hieß es. SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sagte der dpa, er gehe davon aus, dass die Bahn zunächst unter Vorbehalt vergebe. «Der Auftrag ist erst dann zustande gekommen, wenn sma den Stresstest positiv testiert hat.» Das sei so in der Schlichtung vereinbart worden. «Es muss ein Mittelweg her: Fristen halten, aber keine vollendeten Tatsachen schaffen.»

 

Hintergrund für die Verzögerung sei, dass die Gutachter an drei Tagen in Stuttgart waren, um dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 die Grundlagen für den Stresstest zu erläutern, erfuhr die dpa. Wann das Gutachten nun präsentiert wird, ist noch unklar. Allerdings sollen auch in diesem Fall die Gegner Zeit bekommen, das Testat zu prüfen.

 

Die sma begutachtet die bahninterne Fahrplansimulation für den geplanten Tiefbahnhof. Nach Angaben der Bahn können dort 49 Züge in der Spitzenstunde abgefertigt werden. Damit läge die Leistungsfähigkeit um 30 Prozent über der bei 37 Zügen pro Stunde festgelegten Kapazität des bestehenden Kopfbahnhofs.

 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der dem Aktionsbündnis angehört, begrüßte die Entscheidung. Landesgeschäftsführer Berthold Frieß sagte, der Grund für die Verschiebung liege wohl nicht in den Treffen in Stuttgart; sondern darin, dass von den Gegnern verlangte Rahmenbedingungen noch in die Prüfung des Stresstests einflössen. Dabei gehe es etwa um ausreichende Halte- und Umsteigezeigen sowie Pünktlichkeit der Züge. Zum Bestehen der Bahn auf der Auftragsvergabe sagte Frieß: «Wir haben keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bahn. Der Konzern muss selbst verantworten, wenn er unter so unsicheren Bedingungen so viel Geld vergeben will.»

 

Die FDP stellte Geißler als Schlichter infrage. «Offensichtlich wird die Halbwertszeit der Geißlerschen Ankündigungen immer kürzer», erklärte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Jochen Haußmann. «Erst erklärt er, Stuttgart 21 komme sowieso, dann fällt ihm plötzlich ein, dass er bei dieser Aussage nervlich überfordert war. Dann vereinbart er den Stresstest eines unabhängigen Gutachters, und jetzt fällt ihm plötzlich ein, dass das Aktionsbündnis die entscheidende Prüfinstanz sei.» FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke empfahl, sich an den lange vereinbarten Termin 14. Juli zu halten.

 

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