Knast6
Bei der Hochzeit des Sohnes sollte die Familie glänzen - doch am Tag vor dem großen Fest ermordete der Mann seine Ehefrau aus gekränkter Ehre. Dafür gab es nun lebenslänglich.

Gekränkte Ehre: Mord an Ehefrau sollte auch Kinder bestrafen - Lebenslänglich

Heilbronn. Er sah seine Ehre verletzt, da stach er zu: Wegen Mordes an seiner Ehefrau ist ein 41-Jähriger am Donnerstag in Heilbronn zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Laut Gericht rammte er der getrennt von ihm lebenden 39-Jährigen in der Nacht zum 2. Oktober 2015 ein Messer mehr als zehn Mal in Brust und Rücken, schnitt ihre Kehle durch und floh.

Die Frau hatte die Scheidung eingereicht, am Tag nach der Tat wollte eines ihrer vier Kinder heiraten. Der Mann habe befürchtet, dass seiner ganzen Familie dort klar werde, dass er als Oberhaupt seine Frau und seine Familie nicht mehr im Griff habe, erklärte der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth. Die „brutale und verabscheuenswürdige Tat“ war das Ende einer fast 25-jährigen Ehe, durchsetzt mit vielen Gewaltausbrüchen des Familienoberhaupts, wie Kleinschroth berichtete. Nicht nur gegen seine Frau, auch gegen seine Kinder und andere sei der 41-Jährige über die Jahre äußerst gewalttätig gewesen.

Mehrfach musste die Polizei eingreifen. „Die Ehe war von Gewalt geprägt“, sagte Kleinschroth. Mehrfach habe er seine Frau und seine Tochter mit deren Kopftuch gewürgt. Es gab Morddrohungen. „Ihre Ehefrau hatte Angst vor Ihnen“, betonte Kleinschroth. Den Weg zur Arbeit in der Nacht legte die Frau meist nicht allein zurück.

Am 2. Oktober aber war sie allein. Obwohl der ungelernte Hilfsarbeiter und Kraftfahrer nach einem Gewaltausbruch mit einem Annäherungsverbot belegt war, lauerte er seiner Ehefrau mitten in der Nacht auf. Erst habe er sie wohl mit dem Kopftuch erwürgen wollen, hieß es, stach dann aber mit einem Messer auf seine Frau ein. Woher das Messer kam, blieb unklar. Die Verwundete versprühte noch Pfefferspray und versuchte, zurück zu ihrer Wohnung zu fliehen, doch er setzte nach und schnitt ihr die Kehle durch. „Sowas macht man nicht aus Verzweiflung“, sagte Kleinschroth mit Blick auf die Aussage des 41-Jährigen, er habe einfach nicht weitergewusst.

Die Ehe sollte bei der Hochzeit des Sohnes gut dastehen, durch die Scheidung jedoch drohte das Ansehen in der Großfamilie verloren zu gehen, erläuterte Kleinschroth. Einen älteren Scheidungsantrag hatte sie zurückgenommen, so wie Familienmitglieder wie auch die Ehefrau Anzeigen nach Gewaltausbrüchen wohl auf Druck und aus Rücksicht auf die Familie zurückzogen. Mit seiner strikt konservativen Sicht sei für den 41-Jährigen immer klar gewesen, sagte Kleinschroth: Sie hat sich mit ihm zu versöhnen, nicht andersrum.

Daran änderte auch nicht, dass sich die Kinder von ihm anwendeten. Der Richter war sich am Ende sicher: „Der Mord war auch als Bestrafung der Kinder gedacht.“

Der Mann war nach der Tat geflohen, wurde aber wenig später an der ungarisch-rumänischen Grenze gefasst und nach Deutschland ausgeliefert. Seine Familie habe ihm dabei geholfen und müsse sich auch hinterfragen, sagte Kleinschroth. Für das Gericht ging ein turbulenter Prozess zu Ende. An diversen Verhandlungstagen zofften sich auf den Gängen und vor dem Gericht Mitglieder beider Familien. Auch direkt nach dem Urteil gab es gegenseitige Beschimpfungen.