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12.06.2013

Genug multikulti? - Neue Zuwanderer sorgen in Mannheim für Spannungen

Mannheim (dpa/lsw) - Die Mannheimer Neckarstadt war immer schon ein bunter Stadtteil. Menschen mit Wurzeln in den unterschiedlichsten Ländern leben dort. Doch inzwischen kommen - genau wie in anderen Südweststädten auch - immer mehr Armutsflüchtlingen aus Osteuropa dazu.

Nicht jeder ist damit glücklich. «Die Neckarstadt war schon immer multikulti, aber seit zwei Jahren ist es schlimm geworden», beschwert sich eine Ladenbesitzerin, die anonym bleiben möchte. Sie kommt selbst ursprünglich aus der Türkei und wohnt seit 1997 in Mannheim. Auf die Zuwanderer vor allem aus Bulgarien und Rumänien ist sie nicht gut zu sprechen. «Diese Menschen sind sehr laut und machen Dreck, nachmittags ist hier die Straße voll.»

Um die Anliegen der Bewohner in dem Stadtteil kümmert sich Quartiermanager Gabriel Höfle. Er sieht die Ursache des Konflikts zwischen alteingesessenen und neuen Zuwanderern vor allem in der Art, wie die neuen Migranten hier untergebracht sind.

In Häusern, in denen früher 40 oder 50 Personen gewohnt hätten, seien es inzwischen nicht selten 150 oder 200. «Diese Menschen leben teilweise in verschimmelten, beengten Wohnungen, Kellern, alten Lagerhallen und haben dort keinerlei Aufenthaltsqualität», erläutert Höfle. Das habe zur Folge, dass sie ihren Tag lieber auf öffentlichen Straßen und Plätzen verbringen als zu Hause. «Was natürlich dem Normalbürger, der hier schon länger lebt, ein Dorn im Auge ist, da er mit derartigen Sitten nicht umgehen kann.»

Auch ein anderer, aus der Türkei stammender Bewohner der Neckarstadt hält die Lebensumstände der Neuankömmlinge für das eigentliche Problem. «Wenn sich die Lebensverhältnisse verbessern, verbessert sich auch die Integration», glaubt er.

Die Zuwanderer aus Bulgarien sind mittlerweile mit 1000 Personen die zweitgrößte Migrantengruppe in der Neckarstadt. Und jeden Monat kommen ungefähr 170 Menschen aus Bulgarien und Rumänien dazu.

Höfle beschäftigt sich seit fünf Jahren mit dem Thema Einwanderung. Er sieht in dieser Zuwanderungswelle auch eine Chance für Mannheim und ganz Deutschland. Und er ist optimistisch, was den Umgang mit den Migranten aus Südosteuropa in Mannheim angeht. «Der erste große Erfolg ist, dass man in einem breiten Teil der Gesellschaft nicht mehr davon spricht, die Bulgaren seien das Problem. Man hat die Erkenntnis gewonnen, dass dahinterliegende Strukturen das Kernproblem sind», sagt Höfle.

Zur Integration bulgarischer und rumänischer Zuwanderer investiert die Stadt seit diesem Jahr jährlich 600 000 Euro. Mit diesem Geld werde unter anderem bulgarische und rumänische Muttersprachler in der Verwaltung beschäftigt - schließlich ist das oft der erste Berührungspunkt der Zuwanderern mit den deutschen Behörden.

50 Prozent der Mittel seien für Projekte vorgesehen, um beispielsweise Kinder an das Bildungssystem heranzuführen. Denn gerade die Kinder der jetzigen Zuwanderer hätten häufig unzureichende Bildungserfahrung. Wichtig für die Integration ist laut Höfle, dass es Angebote für Kinder, Väter und Mütter gibt, schon Jahre bevor die Kinder eingeschult werden. Denn die Bildung, ist er sicher, sei einer der Schlüsselfaktoren für eine gelungene Integration.