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Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) besichtigt in einem Keller in einem Wohnhaus in Böblingen Risse in der Wand. Die Schäden am Haus sollen durch eine Bodenhebung aufgrund von möglicherweise unsachgemäßen Geothermiebohrungen entstanden sein.
Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen) besichtigt in einem Keller in einem Wohnhaus in Böblingen Risse in der Wand. Die Schäden am Haus sollen durch eine Bodenhebung aufgrund von möglicherweise unsachgemäßen Geothermiebohrungen entstanden sein. © dpa
04.07.2014

Geothermie-Folgen: Umweltminister Untersteller verspricht nach Häuserschäden schnelle Hilfe

Nach massiven Schäden an Häusern, die in Böblingen durch Erdwärmebohrungen verursacht sein sollen, hat Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) rasche Hilfe versprochen. Sein Besuch war am Freitag von Protesten begleitet worden.

Etwa 100 Anwohner hielten Plakate hoch mit Slogans wie «Geothermie zerreißt Böblingen» und «Altersvorsorge zerstört». Laut Landratsamt Böblingen sind 200 Familien betroffen. Die Risse in einigen Häusern sind so breit, dass man durch die Wand den Himmel sehen kann.

«Die vordringliche Aufgabe ist es jetzt, die Erdwärmesonden zeitnah zu sanieren. Zeitnah heißt noch in diesem Jahr», sagte Untersteller. Erst danach sei es sinnvoll, die Häuser zu sanieren.

Der Grünen-Politiker machte deutlich, dass das Land nicht für die Kosten aufkommen wolle. «Wo es einen Verursacher gibt, gibt es auch eine klare Adresse, an die die Rechnung zu schicken ist.» In Böblingen gebe es eine Bohrfirma, die sich ihrer Verantwortung stelle. Und diese Firma habe eine Versicherung. «Wir können und dürfen Unternehmen und Versicherung nicht aus ihrer Verantwortung befreien und die Kosten damit dem Steuerzahler auferlegen.»

Untersteller forderte die Versicherung auf, nun ein Zeichen zu setzen. Sie solle nicht nur die Kosten für die Gebäudesanierung übernehmen, sondern sich auch freiwillig an der Sanierung der Erdwärmesonden beteiligen. 

Untersteller besuchte auch das Haus von Dieter Eger, der zu den Betroffenen zählt. «Wir dürfen nicht auf den Schäden sitzen bleiben», sagte der 56-Jährige. Er mache sich Sorgen, wie lange sein Haus noch halte. «Wir müssen in unseren Häusern wohnen können, ohne davor Angst zu haben, dass uns das Dach auf den Kopf fällt.»

Erdwärmebohrungen haben in mehreren Städten im Südwesten zu massiven Schäden geführt, weil sich der Boden angehoben hatte. Betroffen sind etwa Schorndorf, Rudersberg, Leonberg, Rottenburg und - vor allem - Staufen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald. In Staufen sind durch Geländehebungen im historischen Ortskern etwa 270 Gebäude beschädigt worden. Als Ursache gilt eine missglückte Bohrung im Sommer 2007.

Die Betroffenen erhalten nach Angaben vom März nun Finanzhilfen in Höhe von 30 Millionen Euro. Das Geld soll zur Absicherung instabiler Häuser verwendet werden.