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Bei der Jagd nach einem entlaufenen und verletzten Hirsch verletzte sich ein Forstbeamter so schwer, dass er vorzeitig in den Ruhestand gehen musste. Foto. dpa
hirsch © dpa
16.08.2011

Gericht: Suche nach Hirsch in Wohngebiet lebensgefährlich

MANNHEIM. Die Suche nach einem Hirsch in einem Wohngebiet ist lebensgefährlich. Mit dieser Begründung hat sich ein ehemaliger Forstbeamter vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg ein erhöhtes Ruhegeld erstritten.

Der Mann hatte sich auf der Jagd nach einem ausgebrochenen Hirsch so schwer verletzt, dass er vorzeitig in den Ruhestand musste. Er habe sich bei der Suche nach dem Tier in Lebensgefahr begeben, hob der VGH in seinem am Dienstag veröffentlichten Urteil hervor. Der Forstbeamte war gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Freiburg in Berufung gegangen.

Das erhöhte Unfallruhegeld sei eingeführt worden, «um den Einsatzwillen von Beamten anzuspornen», die besonders gefährliche Dienstverrichtungen zu leisten hätten und dabei erfahrungsgemäß häufiger als andere Beamte dienstunfähig würden, urteilte der VGH. Er hörte auch extra noch einmal einen Wildsachverständigen.

1995 während der Brunftzeit waren in einem Wildgehege zwei Rothhirsche aneinandergeraten - einer brach aus und flüchtete verletzt in Richtung St. Blasien (Landkreis Waldshut). Der von Anwohnern benachrichtigte Kläger verfolgte den Hirsch, konnte wegen zahlreicher Zuschauer aber keinen Fangschuss abgeben. Dann verlor er das Tier aus den Augen. Es begegnete ihm auf einem Wohngrundstück wieder. Dort griff ihn der Hirsch unvermittelt an. Er stürzte eine etwa 2,20 Meter hohe Brüstung herunter. Die schweren Verletzungen führten dazu, dass er 2007 in Ruhestand gehen musste.

Das Landesamt für Besoldung und Versorgung hatte ihm das erhöhte Unfallruhegehalt verweigert. Zur Gefährdung des Klägers sei es nur gekommen, weil der Kläger sich unsachgemäß verhalten und die natürliche Fluchtdistanz des Hirsches unterschritten habe. dpa