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Das Gericht hat einen angeblichen Magier verurteilt.
Das Gericht hat einen angeblichen Magier verurteilt. © Symbolbild: dpa
14.04.2011

Gericht verurteilt angeblichen Magier wegen Betrugs

KARLSRUHE. Als «absolut filmreifen Tatbestand» hat ein Karlsruher Amtsrichter die Abzocke von zwei Männern bezeichnet. Und in der Tat: Die Art und Weise, wie die beiden Täter eine 59-jährige Altenpflegerin mit geheimnisvollen Ritualen um ihre Altersvorsorge erleichterten, bietet ausreichend Stoff für einen abendfüllenden Kinofilm. Der 35-jährige Hauptangeklagte wurde am Donnerstag wegen gemeinschaftlichen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt, sein 57 Jahre alter Vater erhielt zwei Jahre und sechs Monate.

Das Gauner-Duo hat für den Richter eine «hohe kriminelle Energie» an den Tag gelegt. Mit allerlei Hokus-Pokus hat es sich das Vertrauen der leichtgläubigen Frau erschlichen und diese um mindestens 165 000 Euro erleichtert.

Zum ersten Kontakt kam es im März 2008, als die Altenpflegerin wegen beruflicher Probleme die Hilfe des 34-Jährigen suchte, der sich als Magier ausgibt. Dieser nahm ihr durch Handauflegen und Kartenlesen die schlimmsten Ängste. Im Gegenzug übergab ihm die arglose Frau 25 000 Euro, damit er sich eine Operation im Ausland leisten könne, wie sie bei der polizeilichen Vernehmung angab. Ob es diese Operation je gab, blieb zweifelhaft.

Als die Frau im Sommer 2009 eine große Erbschaft machte und sich gleichzeitig von der Lebensgefährtin ihres Bruders verflucht fühlte, trat der vermeintliche Magier erneut in Erscheinung. Gemeinsam mit seinem Vater zelebrierte er eine Aura-Reinigung, bei der er angeblich 140 000 Euro verbrannte, um die Frau von ihrem Fluch zu befreien.

Dieser Geschichte schenkte der Richter ebenfalls keinen Glauben. Für ihn stand fest, dass die beiden Betrüger die arglose Altenpflegerin um ihre finanzielle Existenz gebracht haben. Dabei habe der Jüngere ihr Vertrauen massiv missbraucht und ihr zeitweise sogar eine Liebesbeziehung vorgegaukelt. Die Beziehung war in dem Moment beendet, als sie kein Geld mehr hatte.

Die Frau ist jedoch nach wie vor von den Kräften der Männer überzeugt. Im Prozess behauptete sie sogar - entgegen ihrer Ausführungen bei der Polizei -, dass ihr der Magier Teile des Geldes zurückgezahlt habe. Diese «offensichtliche Falschaussage» sah der Richter in der immer noch anhaltenden psychischen Abhängigkeit der Frau zu dem Täter begründet. Deshalb blieb das Gericht nur wenig unter dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert - aus Mangel an Beweisen. Schließlich sei das Geld bis heute nicht gefunden worden.