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Die Wahlkampfplakate von Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD,l) und Angela Merkel (CDU,r) sind am 04.09.2017 in Schluchsee (Baden-Württemberg) mit dem Wort «Hooton» beschmiert. Earnest Hooton war ein amerikanischer Paläoantrhropologe. Nach dem zweiten Weltkrieg war er für die Ansiedlung nicht-deutscher Bevölkerung in Deutschland. Dies sollte den deutschen Nationalismus zerstören.
Die Wahlkampfplakate von Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD,l) und Angela Merkel (CDU,r) sind am 04.09.2017 in Schluchsee (Baden-Württemberg) mit dem Wort «Hooton» beschmiert. Earnest Hooton war ein amerikanischer Paläoantrhropologe. Nach dem zweiten Weltkrieg war er für die Ansiedlung nicht-deutscher Bevölkerung in Deutschland. Dies sollte den deutschen Nationalismus zerstören. © dpa
08.09.2017

Gestohlen, angezündet, beschmiert: Zerstörungswut bei Wahlplakaten

Stuttgart (dpa/lsw) - Immer wieder lassen Unbekannte ihre Wut an Wahlplakaten aus.

Alle Parteien in Baden-Württemberg beklagen Vandalismus. Oft werden die Plakate, die seit Mitte August hängen, einfach heruntergerissen. Fast 50 Stück einer Partei landeten etwa an einem Wochenende in Künzelsau (Hohenlohekreis) auf dem Boden. Wieder andere werden geklaut oder angezündet. Besonders gründlich zerstörte diese Woche ein Täter in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) ein Plakat: Er stach mit einem spitzen Gegenstand mehr als hundert Mal darauf ein. In Tübingen wurden Plakate verschiedener Parteien mit Aufklebern der rechtsextremen «Identitären Bewegung» versehen, auf denen «Integration ist eine Lüge!« zu lesen ist.

Während die großen Parteien CDU und SPD keinen nennenswerten Anstieg an Sachbeschädigungen im Vergleich zum letzten Wahlkampf verzeichnen, werden vor allem die kleinen Parteien häufig Opfer der Zerstörungswut.

«Was die Zerstörung von Wahlplakaten anbelangt, stellen wir seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg fest», sagte eine Sprecherin der Grünen. Einen besonders krassen Fall gibt es im Bodenseekreis. Dort haben Unbekannte zwei Großflächenplakate der Partei mit Bannern mit den Aufschriften «Volksverräter» und «Kinderschänder» überklebt. Die Kriminalpolizei Friedrichshafen ermittelt, und auch der Verfassungsschutz wurde informiert. «Das ist das normale Vorgehen, wenn wir von einem politischen Hintergrund ausgehen», sagte ein Sprecher der Polizei. Die Aktion habe sich gezielt gegen die Grünen gerichtet. «Das war professionell vorbereitet.»

Die AfD klagt über besonders große Verluste. Mindestens die Hälfte der aufgehängten Plakate sei zerstört worden, bei manchen Kreisverbänden sogar alle, hieß es. Einige bieten inzwischen Belohnungen für Tathinweise an. Sogar ihre Plakatierer werden zum Ziel von Angriffen. Diese Woche wurden vier AfD-Unterstützer beim Aufhängen von Wahlplakaten in Stuttgart angegangen und beleidigt, zwei wurden dabei leicht verletzt.

Die FDP verzeichnet zwar insgesamt weniger Beschädigungen als in den Wahlkämpfen vergangener Jahre, berichtet aber auch von «krassen Einzelfällen». Wie in Remseck am Neckar (Kreis Ludwigsburg), wo ein Plakat der dortigen Kandidatin angezündet wurde. Harmloser sind dann schon «kreative Beschmierungen», wie in Stuttgart. Dort hat jemand Christian Lindner auf einem Plakat Engelsflügel und einen Heiligenschein verpasst.

Auch die Linke hält das Austauschen beschädigter Plakate auf Trab, die zum Beispiel mit Hakenkreuzen beschmiert wurden oder auf denen ein umgedrehtes Kreuz auf die Stirn eines Kandidaten gemalt wurde. Mitunter entstehen aber kleine Kunstwerke. «Manchmal ist es amüsant mit welcher Kreativität die Plakate verschönert werden», sagt Dagmar Uhlig, Sprecherin der Fraktion. «Die können wir dann auch hängen lassen.»