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28.01.2014

Gestrandeter Schwertransport rollt wieder

Gerstetten. Eigentlich sollte das riesige Gefährt nur wenige Minuten durch Gerstetten im Kreis Heidenheim fahren. Aus Minuten wurden aber Stunden, Tage, Wochen und schließlich Monate. Am späten Montagabend hat der Schwertransport, der Ende November im Ortsteil Gussenstadt stecken geblieben war, die Gemeinde verlassen.

Zwei Monate wurde nach einer Lösung gesucht, den Tieflader mit seiner 40 Meter langen und mehr als fünfeinhalb Meter breiten Ladung aus dem Dorf zu manövrieren. Doch Meinungsverschiedenheiten zwischen Spedition und Behörden zögerten die Abfahrt immer wieder heraus.

«Das ist ein sehr großer Transporter, und wir sind ein sehr kleines Dorf.» So brachte ein Polizist die Lage damals auf den Punkt. Nachdem die Behörden davon ausgegangen waren, dass der Schwertransport in einer aufwendigen Aktion abgeschleppt werden müsse, kristallisierte sich eine viel einfacherer Lösung heraus. Im Rückwärtsgang wurde das Gefährt mit seiner 60 Tonnen schweren Ladung aus dem Dorf heraus auf einen nahe gelegenen Parkplatz gelotst. Die Straße war wieder frei, der Schwertransport blieb der Gemeinde aber erhalten. Die Behörden untersagten erst einmal die Weiterfahrt.

«Es hat sich herausgestellt, dass die Ladung teilbar ist», erklärte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart die Verzögerung. «Wenn das möglich ist, müssen aus einem Schwertransport eben zwei Transporte gemacht werden.» So wurde die Ladung - ein Kühlturm für ein französisches Kraftwerk - geteilt und auf zwei Tiefladern festgezurrt. Ganz zum Ärger des Transportunternehmens. «Durch das Umladen haben die Stahlkonstruktionen wohl Schaden genommen», sagte ein Sprecher von Gruber Logistics in Kreuztal (Nordrhein-Westfalen). Auch dadurch habe sich die Weiterfahrt verzögert. Gleichzeitig gesteht der Sprecher auch Fehler ein: «Wir hätten die Route durch Gerstetten nicht wählen dürfen.»

Der Lastwagen wurde während seines ungewollten Zwischenstopps mit seiner spektakulären Ladung zu einer kleinen Attraktion für Schaulustige. «Zahlreiche Menschen waren hier, um sich den Transporter aus der Nähe anzusehen», sagte eine Bewohnerin. Vor allem an den Wochenenden seien es besonders viele gewesen. Zwischen Freitag und Mittwoch nächster Woche werden die Stahlkonstruktionen an ihrem Ziel in Frankreich erwartet. Wann genau, konnte der Sprecher des Logistikunternehmens nicht genau sagen. Bei einer zweimonatigen Verspätung wird es auf den exakten Ankunftstag wohl aber auch nicht mehr ankommen.