nach oben
Hat gut lachen: TV-Wettermoderator Jörg Kachelmann (mit Verteidigerin Andrea Combe) wurde vom Landgericht freigesprochen - mangels Beweisen.  © dpa
31.05.2011

Geteiltes Echo auf Kachelmann-Freispruch

Der Freispruch von Wettermoderator Jörg Kachelmann hat ein geteiltes Echo hervorgerufen. Kritik gab es am Gericht, genau wie an der Verteidigung, der Staatsanwaltschaft und den Medien. Opferschutz- und Frauenrechtsgruppen befürchten außerdem, dass das Urteil ein falsches Signal aussendet und Frauen abschrecken könnte, Vergewaltigungen anzuzeigen.

Bildergalerie: Medienrummel zur Urteils-Verkündung im Kachelmann-Prozess

Wegen des Trubels um den Prozess und der Vorverurteilung der Nebenklägerin in Teilen der Öffentlichkeit würden sich Opfer sexueller Gewalt in Zukunft noch weniger trauen, Anzeige zu erheben, erklärte die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes.

Umfrage

Ist das Freispruch-Urteil für Jörg Kachelmann gerecht?

Ja 66%
Nein 18%
Mir egal 16%
Stimmen gesamt 819

Ähnlich sieht das der Opferschutzverein Weißer Ring. Dass ein Freispruch nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ häufig „Im Zweifel gegen das Opfer“ bedeute, sei vielen Juristen nicht bewusst, sagte Veit Schliemann vom Weißen Ring. Es sei für Gewaltopfer ohnehin schon schwierig genug, mit Fremden, etwa der Polizei, über das Geschehene zu reden.

Der Freispruch löst nach Einschätzung des Bundesverbandes deutscher Frauennotrufe Unsicherheit und Bitterkeit bei Vergewaltigungsopfern aus. „Damit bestätigt sich die schlimmste Befürchtung von Frauen. Die Angst, dass man ihnen eine Vergewaltigung nicht glaubt“, sagte Gudrun Wörsdörfer vom Frauennotruf in Frankfurt.

Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn zog nach dem Freispruch über das Gericht her. Er sprach von „Erbärmlichkeit im Gerichtssaal“. Die Strafkammer hätte den Angeklagten „zu gerne verurteilt“ und in ihrer Urteilsbegründung nochmal „richtig nachgetreten“, um „den Angeklagten maximal zu beschädigen“.

Der Regensburger Strafrechts-Professor Henning Ernst Mueller sprach von „viel Kritikwürdigem an dieser Verhandlung“. Die Staatsanwaltschaft sei „zu weit“ gegangen, indem sie viele Informationen an die Presse gegeben hätte. „Hart an der Grenze des Erträglichen“ sei aber auch gewesen, dass Zeuginnen von der Presse außerhalb der Hauptverhandlung Geld für Interviews angeboten wurde.

Der Medienanwalt Christian Schertz forderte, den Umgang der Justiz mit den Medien zu prüfen. In der SWR-Talkshow „2+Leif“ sagte er am Montagabend laut einer Mitteilung des Senders: „Wir werden prüfen müssen, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, wo der bloße Vorwurf eines Fehlverhaltens zu einer derartigen Vernichtung bereits vor dem Urteil führt.“ Bei dem Prozess hätten eigentlich alle versagt.

Der Anwalt der Ex-Geliebten und Nebenklägerin sprach von einem „Freispruch dritter Klasse“. In der Urteilsbegründung habe das Gericht klar gemacht, dass es „weder von der Unschuld von Herrn Kachelmann, noch von einer Falschaussage meiner Mandantin überzeugt“ sei, sagte Thomas Franz der Illustrierten „Bunte“.

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer stellte sich weiter auch an die Seite der Nebenklägerin. „Man muss auch Respekt vor dem möglichen Opfer haben“, sagte Schwarzer, die für die „Bild“-Zeitung den Prozess begleitet und für die Ex-Geliebte Partei ergriffen hatte.

Das brachte ihr weiter die Kritik von Journalistenkollegen ein. Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“ sagte, mit ihrer Berichterstattung habe Schwarzer jegliches journalistisches Renommee verloren. „Die war ja nicht Berichterstatterin, sondern die hat sich selbst zum Mittelpunkt gemacht“, kritisierte er im Deutschlandfunk. Die Feministin habe sich nicht an die journalistischen Grundsätze wie Objektivität gehalten, sondern immer nur den einen Film abgespielt, egal was passierte.

Leserkommentare (0)