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Ein Glücksspielforscher wirft dem Staat das Versagen bei der Jagd auf illegales Lotto im Internet vor.
Ein Glücksspielforscher wirft dem Staat das Versagen bei der Jagd auf illegales Lotto im Internet vor. © dpa
09.01.2015

Glücksspielforscher: Staat versagt bei Jagd auf illegales Lotto

Trotz aller Gesetze gelingt es dem Staat nach Ansicht eines Glücksspielexperten nicht, das illegale Lottospiel im Internet einzudämmen. Professor Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, sieht sogar ein «Staatsversagen» - begründet vor allem in den «schwerfälligen Strukturen» bei der Glücksspielaufsicht.

Manche Internetangebote, bei denen Wetten auf Lottozahlen abgegeben werden können, seien schlicht illegal. Hochprofessionelle und recht ansprechende Internetseiten lockten aber immer mehr Spieler an.

Deutsche Behörden versteckten sich bei der Verfolgung laut Becker zu oft hinter der Ausrede, im Ausland könne man die Urheber nicht verfolgen. Die von ihm als verboten eingestufte Seite «Lottoland.com» etwa sei auf Malta verortet.

Deutsche Seiten wie das legale Angebot «Lottowelt.de» oder auch das Angebot von Lotto Baden-Württemberg kämen längst nicht so attraktiv daher, sagte Becker. Im Gegensatz zu den illegalen Seiten seien die legalen Portale zu Sozialkontrolle und Suchtprävention verpflichtet. Zudem begrenzten sie Werbung. Doch wer auf «Lottoland.com» spiele, könne im Grunde gar nicht merken, dass die Seite illegal sei.

Laut Becker stecken hinter allen Glücksspiel-Seiten mit der Adresse «.com» illegale Angebote. Das betreffe auch Sportwetten oder Online-Casinos. Diese seien seit Jahren verboten. Passiert sei nach wie vor gar nichts. Zwar sei der Glücksspielstaatsvertrag diesbezüglich gar nicht so schlecht - er müsse aber auch umgesetzt und die Illegalen verfolgt werden.

Die Staatliche Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg wird am Freitag (10.00 Uhr) in Stuttgart ihre Jahresbilanz 2014 vorstellen und zu aktuellen Themen der Branche Stellung beziehen.