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10.08.2008

Goll fährt mit Ferrari Kritik ein

STUTTGART. Getrübte FreudeamFerrari: Justizminister Ulrich Goll (FDP) hat mit dem Kauf eines Ferrari reichlich Kritik eingefahren. Viele FDP-Mitglieder hätten nichts gegen den Sportwagen, vermissten aber bei Goll das nötige Fingerspitzengefühl.

Freiheit den PS-Protzen – wird so künftig das Kürzel FDP übersetzt? Baden-Württembergs Vize-Ministerpräsident Ulrich Goll (FDP) dürfte sich darüber jedenfalls nicht wundern. Seit Tagen schwärmt der 58-Jährige auf dem Boulevard von seinem Ferrari 360 Modena mit 400 PS, den er für etwa 100 000 Euro gebraucht erstanden hat. „Es macht mir einfach Spaß“, sagt der Justizminister und erinnert damit an das 80er-Jahre-Lied von Markus über seinen Maserati: „Ich hab' Spaß, ich geb' Gas“. Keinen Spaß verstehen hingegen die Grünen, die prompt auf die hohen CO2-Werte hinwiesen. In der CDU heißt es, ein Sportwagen „Made in Stuttgart“ wäre doch passender. Aber auch bei den Liberalen löste Goll Kopfschütteln aus, weil er Erinnerungen wachruft an das verhasste Etikett „Partei der Besserverdienenden“. „Wir hätten es gerne vergessen gemacht“, sagt Ulrich Noll, FDP- Fraktionschef. „Aber es kommt immer wieder hoch.“ Er würde nicht mit einem so teuren Auto spazieren fahren, aber er gestehe Goll zu, „unvernünftig zu handeln“. Auch an der Basis grummelt es. „Das ist doch ein Auto für Dealer“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. „Wir würden uns wünschen, er würde noch mehr Gas in der Regierung geben als am Steuer“, sagt Juli-Landeschef Leif Schubert. An dem Ferrari sei zwar im Grunde nichts auszusetzen, aber besonders großes Fingerspitzengefühl zeigeGoll nicht. „Man muss auch gönnen können“, meint der Generalsekretär der Bundes-FDP, Dirk Niebel. „Das Privatauto ist Privatsache.“ Wenn man sich jedoch in der Bundes-FDP umhöre, seien die Meinungen geteilt. Für seinen Spieldrang wolle aber niemand Goll bestrafen, heißt es aus Berlin. Tatsächlich hat er erklärt, bei dem Kauf des Luxusschlittens habe sich „das Kind im Mann“ durchgesetzt. Auf Kritik reagiert er allergisch: Er habe keine Lust „dem allgemeinen Klischee des armen Politikers zu entsprechen“. „5:1 positive Reaktionen“ habe er erhalten, berichtet er. Und da er kein Flugzeug nutze und den Ferrari nicht zum Brötchenholen aus der Garage hole, mache er sich um seine Ökobilanz keine Sorgen.

Entspannt sieht SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel die Causa Ferrari. „Wir sind ein freies Land mit freien Bürgern.“ Vielleicht hat er dabei auch daran gedacht, dass einst ein prominenter Sozialdemokrat durch Protzerei von sich reden machte. Nicht wenige hatten sich zu Beginn der rot-grünen Regierungszeit darüber aufgeregt, dass der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Cohiba schmauchte und sich auch noch im sündhaft teuren Brioni-Mantel ablichten ließ. „Genosse der Bosse“ wurde Schröder genannt.

Nun ist Goll aber Freidemokrat und Rechtsanwalt, der Wert legt auf seine Unabhängigkeit. Ende 2002 schmiss er überraschend sein Amt als Justizminister hin, um in eine große Anwaltskanzlei zu wechseln. Erst als ihn die Südwest-FDP zwei Jahre später wieder rief, weil seine Nachfolgerin Corinna Werwigk-Hertneck über eine Affäre gestolpert war, kehrte er auf den Posten zurück. Der ehemalige Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU), selbst lange leidenschaftlicher Porschefahrer, sagt: „Ulrich Goll ist ein Mensch, der nicht alles im Leben auf die Politik und auf politisch korrektes Verhalten ausrichtet.“

Kein Verständnis für Goll hat dagegen der Landeschef des CDU- Sozialflügels Christian Bäumler. Dass ein Regierungsmitglied aus dem Land von Daimler und Porsche einen italienischen Flitzer fahre, passe einfach nicht ins Bild. Er wünscht sich etwas „mehr Sensibilität.“ Heiderose Berroth, FDP-Umweltexpertin, lässt das nicht gelten. „Michael Schumacher ist auch Ferrari gefahren und alle haben ihm zugejubelt.“
Zu Golls Fuhrpark gehören auch noch Motorräder der Marken Harley-Davidson ein BMW und ein Mercedes GL.