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Alexander Bonde (Bündnis 90/Die Grünen), Naturschutzminister von Baden-Württemberg bei der Präsentation des Gutachtens zum Nationalpark Nordschwarzwald. Im Vordergrund hängt ein Transparent von Nationalparkgegnern. © dpa
10.04.2013

Großer Andrang bei Vorstellung des Nationalparkgutachtens

Bad Wildbad. Mit Pfiffen und Buhrufen haben Gegner des Nationalparks Nordschwarzwald am Dienstagabend Naturschutzminister Alexander Bonde (Grüne) in Bad Wildbad (Kreis Calw) empfangen. Der Applaus seiner Unterstützer unter den rund 1000 Besuchern blieb dagegen verhalten.

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Seine Ansprache wurde immer wieder von lautstarkem Protest unterbrochen. Ein Vorgeschmack für Bonde auf das, was ihn in den kommenden Wochen erwartet, wenn er in weiteren Gemeinden des Nordschwarzwaldes die Studie zum Nationalpark mit Bürgern diskutieren will. Ein Großaufgebot der Polizei sicherte die Veranstaltung ab.

Bonde warb für das Projekt, das sowohl der Natur nütze als auch wirtschaftliche Vorteile bringe. Die Region erhalte zudem Mitsprache bei der Gestaltung des Nationalparks. Seine Rede wurde mehrfach unterbrochen. Die Gegner buhten nicht nur, sondern rezitierten auch lautstark mehrere Strophen der Schwarzwald-Hymne von Ludwig Auerbach: «O Schwarzwald, o Heimat, wie bist Du so schön».

Der Plan, einen Teil des Waldes unter besonderen Schutz zu stellen, hat die Region entzweit. Die Gegner des Nationalparks werden von der holzverarbeitenden Industrie angeführt, die um ihre Existenz fürchtet. Die Befürworter erhoffen sich Impulse für den Naturschutz und den Tourismus.

Die Inhalte des 1200 Seiten umfassenden Gutachtens hatte die Landesregierung bereits am Montag in Stuttgart vorgestellt. Die Fachleute kamen auch in Bad Wildbad zu Wort. Sie erläuterten dem aufmerksamen Publikum, wie sich ein geschützter Wald in den kommenden Jahrzehnten entwickeln wird. «Ein Nationalpark kann nicht alles», sagte Philipp Riedel, aber er bedeute einen Schutz für etliche gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die Gefahr durch den Borkenkäfer halte er für beherrschbar, da der umgebende Wald nur wenige Angriffsflächen für den Schädling biete.

Die Gutachter zeigten auch, welchen Einfluss das Einschlagverbot auf die Holzindustrie haben wird. Der Industrie gingen damit 0,4 Prozent der Menge verloren, die in Baden-Württemberg insgesamt jährlich geschlagen wird. Nur fünf Betriebe seien existenziell auf Holz aus dem betroffenen Waldgebiet angewiesen, sagte Frank Hartling. Im ungünstigsten Fall könnten jedoch 110 Arbeitsplätze in Sägewerken und bei angegliederten Dienstleistern verloren gehen.

Im Gegenzug könnten rund 430 neue Arbeitsplätze im Tourismus entstehen, erläuterte Alexander Seiz. Mehr als 18 Millionen Euro würden zusätzliche Touristen in der Region ausgeben. Immer mehr Gäste setzten auf Naturerlebnis. «Natur und Wildnis treffen den Nerv der Zeit.» Zudem sei ein Impuls im Nordschwarzwald durchaus geboten, da die Besucherzahlen seit den 90er Jahren rückläufig seien. Voraussetzung für einen Erfolg sei allerdings eine professionelle Vermarktung.