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Ab Herbst wird in der ehemaligen Siemens-Kantine in Konstanz ein Mafia-Prozess stattfinden, wofür das Gebäude entsprechend umgebaut wird. 
Ab Herbst wird in der ehemaligen Siemens-Kantine in Konstanz ein Mafia-Prozess stattfinden, wofür das Gebäude entsprechend umgebaut wird.  © dpa
Konstanz: Ein Schild weist am Eingang zur ehemalige Siemens Kantine auf die einstige Videoüberwachung hin. Ab Herbst wird in der Kantine auf dem Gelände ein Mafia-Prozess stattfinden, wofür das Gebäude entsprechend umgebaut wird.
Konstanz: Ein Schild weist am Eingang zur ehemalige Siemens Kantine auf die einstige Videoüberwachung hin. Ab Herbst wird in der Kantine auf dem Gelände ein Mafia-Prozess stattfinden, wofür das Gebäude entsprechend umgebaut wird. © dpa
30.07.2018

Großer Mafia-Prozess startet aus Platzgründen in Ex-Firmenkantine

Konstanz/Karlsruhe. Viele Angeklagte, viele Anwälte - aus Platzgründen muss das Konstanzer Landgericht für einen Mammut-Mafia-Prozess in eine Ex-Firmenkantine. Und anfangs sogar nach Karlsruhe.

Ungewöhnlicher Ort für ein außergewöhnliches Verfahren: Weil das Konstanzer Gerichtsgebäude für einen großen Mafia-Prozess zu klein ist, wird die meiste Zeit in einer eigens dafür hergerichteten früheren Firmenkantine verhandelt. Wo zuvor Siemens-Beschäftigte zu Mittag aßen, sitzen von Herbst an in einem auf 67 Tage angelegten Verfahren neun mutmaßliche Mafiamitglieder auf der Anklagebank. Die Männer - überwiegend Italiener oder von dort stammend, die zuletzt meist im Schwarzwald-Baar-Kreis wohnten - sollen Rauschgifthandel in großem Stil betrieben haben und Bezüge zur sizilianischen Cosa Nostra und zur kalabrischen 'Ndrangheta haben.

Einem Beschuldigten wird auch versuchter Mord vorgeworfen. Er soll wegen eines Streits um Drogengeschäfte in Hüfingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) im Mai 2017 fünf Schüsse durch das Fenster einer Gaststätte im Schwarzwald-Baar-Kreis abgegeben haben, in der zwei Menschen waren - als «Abstrafung». Die Männer im Alter zwischen 26 und 57 Jahren sollen sich zudem neben Waffenschmuggel und -besitzes auch wegen gefährlicher Körperverletzung, Brandstiftung und Raubes verantworten.

Sie haben laut Anklage von Herbst 2013 an bis Mitte 2017 mit Drogen gehandelt. Es gehe um 270 Kilogramm Marihuana, an die 20 Kilogramm Haschisch sowie 2,5 Kilogramm Kokain. Die Drogen sollen teils aus Italien nach Deutschland eingeführt worden sein. Bei ihrer Festnahme wurde Vermögen im Wert von 400 000 Euro beschlagnahmt; ebenso wie Gegenstände im Wert 4,5 Millionen Euro. Ursprünglich sollten elf Männer vor Gericht stehen. Doch gegen zwei inhaftierte Verdächtige wird gesondert verhandelt.

Da die umgebaute Kantine zum Prozessauftakt noch nicht fertig ist, müssen die Richter anfangs sogar in eine andere Stadt umziehen: Nach Angaben einer Sprecherin weichen sie die ersten zwei Prozesstage (Auftakt: 21. September, 9.00 Uhr) ins Karlsruher Landgericht aus. Danach geht es für die Richter wieder an den Bodensee. Ab Mitte Oktober soll die frühere Siemens-Kantine so umgerüstet sein, dass sie genügend Sitzplätze hat und den strengen Sicherheitsanforderungen genügt. «Das Gebäude wird entsprechend ertüchtigt», sagte die Gerichtssprecherin.

Die Konstanzer wären auch gerne ins gesicherte Gerichtsgebäude von Stuttgart-Stammheim gezogen. Doch da war wegen des Prozesses gegen die rockerähnliche Gruppe «Osmanen Germania BC» keine Kapazität mehr frei.

Mafiosi in Pforzheim und im Enzkreis

Auffällig in Pforzheim ist die Karriere von Giovanni Zanetti (Name geändert), der 2007 mit seinem Bruder nach Pforzheim kam. Der eine saß in Italien mehr als zehn Jahre in Haft, der andere mindestens sechs Jahre. In Pforzheim haben sie rasch Karriere gemacht – im Immobiliengeschäft. Sie kauften Wohnungen und ein Hotel. Geldwäsche? Der Nachweis ist schwierig und es liegt nichts gegen Giovanni Zanetti vor. Es gibt Hinweise, dass auch Verwandtschaft mit krimineller Vergangenheit nach Pforzheim gezogen ist. Ein Cousin hat hier mutmaßlich mit Früchten gehandelt.

Jeder scheint in der Goldstadt also einer geregelten Arbeit nachzugehen. Die früheren kriminellen Aktionen, die Haftstrafen? Alles Geschichte. So wie bei Kopper. Den gibt es auch nicht mehr als „Tatort“-Kommissar. Einmal raus aus dem „Tatort“ und das war es dann mit der Ermittlerkarriere im ARD-Klassiker. Ob das auch bei der Mafia so funktioniert? „Wer aussteigen will, hat zwei Möglichkeiten. Entweder kooperiert er mit der Justiz – oder er wird erschossen“, so die „Correctiv!“-Reportage.

Mehrere Menschen erschossen hatte ein Italiener, der einige Zeit in Pforzheim lebte. Der Mafiakiller soll für Salvatore „Toto“ Riina, den Boss der Bosse, gemordet haben. 1995 wurde er bei einer SEK-Aktion an der Wurmberger Straße auf dem Buckenberg verhaftet. Er lebte mit den Ausweispapieren seines Zwillingsbruders an der Sternstraße im Pforzheimer Stadtteil Brötzingen.

Auf andere Art mit Mafiamorden in Verbindung gebracht wurde Pforzheim beim Attentat auf Gäste eines italienischen Restaurants in Duisburg im Jahre 2007. Sechs Menschen wurden erschossen. Ein Auto, das in Zusammenhang mit den Morden steht, wurde in Pforzheim angemietet.

Auch im Enzkreis scheinen sich Mafiosi sicher zu fühlen. 2014 schnappte die Polizei in Engelsbrand-Grunbach einen 60-Jährigen, der einer mafiösen Organisation angehörte und in Italien dafür verurteilt wurde, dann jedoch nach Deutschland flüchtete. Der Fall schien erledigt, wurde der Verbrecher doch kurz darauf nach Italien ausgeliefert, um dort eine lange Haftstrafe abzusitzen.

Zwei Jahre später stand in Pforzheim ein ehemaliger Freund des abgeschobenen Mafioso vor Gericht. Die Polizei in Birkenfeld hatte ein Jahr zuvor bei einer Durchsuchung zwei Waffen und 500 Gramm Marihuana bei einem 33-jährigen Italiener entdeckt. Der Angeklagte gab an, vom 60-Jährigen unter Druck gesetzt worden zu sein.

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Die Mafia in Zahlen

’Ndrangheta

Hauptverbreitungsgebiet: Kalabrien

Mitglieder: etwa 8000

Organisation: Die ’Ndrangheta ist die stärkste Mafia-Organisation in Deutschland. Während andere Organisation hierarchisch strukturiert sind, setzt die ’Ndrangheta auf ein föderales System. Das bedeutet, dass alle Clans gleiche Kompetenzen besitzen. Jeder Clan in sich ist allerdings streng organisiert. In der Regel sind die Mitglieder eines Clans eine richtige Familie, also Blutsverwandte.

Verbreitung in Deutschland: Laut Ermittlungsbehörden halten sich 283 mutmaßliche Mitglieder der ’Ndrangheta in Deutschland auf. Außerdem werden bundesweit etwa 300 Pizzerien der Mafia-Organisation zugeordnet. Die ’Ndrangheta hat sich vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen angesiedelt.

Cosa Nostra

Hauptverbreitungsgebiet: Sizilien

Mitglieder: etwa 5500

Organisation: Seit etwa 1975 legen die Mitglieder der „cupola regionale“ die Leitlinien für die Cosa Nostra fest. Die cupola bilden die Anführer der jeweiligen Clans.

Verbreitung in Deutschland: Laut Ermittlungsbehörden halten sich knapp 80 mutmaßliche Mitglieder der Cosa Nostra in Deutschland auf, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Stidda

Hauptverbreitungsgebiet: Südsizilien

Mitglieder: etwa 5000

Organisation: Trotz der Abspaltung ist die Stidda der Cosa Nostra sehr ähnlich. Die Stidda ist jedoch eher netzwerkartig strukturiert und arbeitet weniger mit Hierarchien.

Verbreitung in Deutschland: Bislang liegen zur Stidda wenige Zahlen vor. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist in Baden-Württemberg. Ein Schwerpunkt bildet Pforzheim.

Camorra

Hauptverbreitungsgebiet: Neapel und Umland

Mitglieder: etwa 6500

Organisation: Die Camorra besitzt keinen Kopf an ihrer Spitze. Sie setzt sich aus vielen Familien zusammen, die allerdings in Konkurrenz zueinanderstehen. Daher gibt es häufig mehrere Familien, die sich zusammenschließen für gemeinsame Geschäfte.

Verbreitung in Deutschland: Laut Ermittlungsbehörden halten sich rund 90 mutmaßliche Mitglieder der Camorra in Deutschland auf. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.

Sacra Corona Unita

Hauptverbreitungsgebiet: Region Apulien

Mitglieder: etwa 1600

Organisation: Die Mafia besteht aus etwa 50 Clans. Das Hauptgeschäft macht die Apulische Mafia vermutlich mit Drogenschmuggel zwischen Montenegro und Italien.

Verbreitung in Deutschland: Laut Ermittlungsbehörden halten sich etwas über ein Dutzend mutmaßliche Mitglieder vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz auf.

pforzheimer007
30.07.2018
Großer Mafia-Prozess startet aus Platzgründen in Ex-Firmenkantine

bella italia...ganz nah auch in pforzheim..nicht in form von einem strand..aber in form von mafiaaktivitäten....ja was soll man dazu sagen....das die mafia die liberale haltungsweise in deutschland schätzt und auch unsere steuergesetzgebung und co...ist doch wohl schon lange bekannt...das wir für diese bande als rückzugsort gelten...nicht zuletzt weil wir alle (die meisten) doch auch die cucina italiana so lieben...und dazu noch ein glas leckeren lambrusco... wer kennt sie nicht...die ...... mehr...