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Daniel Lede Abal (Bündnis 90/Die Grünen) gestikuliert 30.03.2011 in Tübingen während eines Gesprächs mit der Deutschen Presse-Agentur für den Fotografen. Muttersprachlicher Unterricht muss in Baden-Württemberg aus Sicht der Grünen Fraktion im Landtag neu organisiert werden.
Daniel Lede Abal (Bündnis 90/Die Grünen) gestikuliert 30.03.2011 in Tübingen während eines Gesprächs mit der Deutschen Presse-Agentur für den Fotografen. Muttersprachlicher Unterricht muss in Baden-Württemberg aus Sicht der Grünen Fraktion im Landtag neu organisiert werden. © dpa
27.08.2013

Grüne wollen Reform des muttersprachlichen Unterrichts

Stuttgart. Muttersprachlicher Unterricht muss in Baden-Württemberg aus Sicht der Grünen im Landtag neu organisiert werden. «Gerade mit dem Ausbau von Ganztagsschulen droht er sonst hintenrunterzufallen», sagte der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Daniel Lede Abal, der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Wenn die Schüler drei bis vier Tage nachmittags in der Schule verbringen, bliebe nur noch abends oder am Wochenende Zeit für Unterricht in ihrer jeweiligen Muttersprache.

Dieser wird als sogenannter Konsulatsunterricht angeboten. Heißt: Das Kultusministerium hat Verträge mit diplomatischen und konsularischen Vertretungen der Herkunftsländer, die sich um Angebote, Lehrer und Unterrichtsinhalt kümmern. Die Schulträger müssen nur Räume bereitstellen. Mehr als 42 000 Schüler nutzten im vergangenen Schuljahr nach Angaben des Kultusministeriums über 3100 Kurse. Die Teilnahme daran ist freiwillig.

«Qualitativ gibt es große Unterschiede», erklärte Lede Abal. So werde in einigen Fällen türkisches Unterrichtsmaterial verwendet, dass den deutschen Standards nicht entspreche. Manche Staaten legten außerdem mehr Wert auf kulturelle Vermittlung, andere - wie etwa Griechenland - versuchten mit einem breiten Fächerangebot auf den griechischen Schulabschluss vorzubereiten. «Es wäre sinnvoll, das Ganze auf Bildungspläne abzustimmen und in den Schulunterricht einzubauen», sagte der Tübinger Abgeordnete. «Dann können wir auch qualitative Standards setzen, die wir ja haben wollen.»

Eine Möglichkeit, die Reform vor allem mit Blick auf Ganztagsschulen anzugehen, seien Kombiangebote: Was für die Schüler mit Migrationshintergrund der muttersprachliche Unterricht sei, könnten Schüler ohne entsprechende Herkunft als Fremdsprachen-AG nutzen. «Bei uns ändern sich die Schulen, also muss sich auch der muttersprachliche Unterricht ändern», fasste Lede Abal zusammen.

«Fernziel wäre, dass es ein Schulfach im Wahlbereich wird, für das es auch Noten gibt.» Dann könnten eventuell auch die deutschen Schulabschlüsse in den jeweiligen Herkunftsländern anerkannt werden. Im Moment können Schüler laut Ministerium im Zeugnis unter «Bemerkungen» oder durch eine Anlage einen Hinweis auf den und die Note des muttersprachlichen Zusatzunterrichts aufnehmen lassen.

Eine Umstellung des Angebots in seiner jetzigen Form auf die staatlich organisierte Version, die Lede Abal vorschwebt, würde das Land rund 35 Millionen Euro kosten. Dabei beruft er sich auf Berechnungen des Ministeriums. «In der Anfangsphase vielleicht mehr wegen Übersetzern für die Lehrer.» Zum Vergleich: Die Fördersumme vom Land liegt im Moment bei insgesamt knapp 1,1 Millionen Euro.

Lede Abal sieht aber auch Probleme. So müsse eine Reform mit den derzeit zuständigen Staatsvertretungen abgestimmt werden. «Es geht uns darum, den muttersprachlichen Unterricht in den Schulalltag zu holen und nicht so nebenher laufen zu lassen. Und das geht nur gemeinsam mit den Konsulaten.» Zum anderen gebe es Gruppen in relevanter Größe wie Kurden oder Tamilen, für die es keinen Staat als Ansprechpartner gibt, mit dem man einen Vertrag abschließen kann.