nach oben
Kann der geplante unterirdische unterirdische Bahnhof in Stuttgart seinen Aufgaben gerecht werden. Eine Stresstest-Studie der Grünen kommt zu dem Ergebnis, dass das Bahnprojekt Stuttgart 21 dem Zugverkehr nicht angepasst ist.
Kann der geplante unterirdische unterirdische Bahnhof in Stuttgart seinen Aufgaben gerecht werden. Eine Stresstest-Studie der Grünen kommt zu dem Ergebnis, dass das Bahnprojekt Stuttgart 21 dem Zugverkehr nicht angepasst ist. © dpa
19.03.2011

Grünen-Studie zu Stuttgart 21 sorgt für Wirbel

STUTTGART. Eine Woche vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg legen die Grünen im Streit um das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 nach: Eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass am neuen Bahnhof nicht so viele Züge abgefertigt werden können, wie von den Befürwortern behauptet. Das berichtet das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».

«Wir können sicher sagen, wie viele Züge fahren können und dass dort kein Platz für mehr Züge sein wird», sagte Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer, der die Studie mit in Auftrag gegeben hatte.

Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler könnten in der geplanten achtgleisigen Station zwischen sieben und acht Uhr maximal 42 Züge abgefertigt werden, also gerade mal vier Züge mehr als im aktuellen Fahrplan 2011. Avisiert sind jedoch 49 Züge. Bahnvorstand Volker Kefer hält diese Aussage für nicht nachvollziehbar. Die Bahn sei weder in die Studie einbezogen noch über sie informiert worden, sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Samstag.

Die Bahn hatte laut Palmer nach dem Schlichterspruch deutlich gemacht, den Stresstest alleine durchführen zu wollen, weshalb die Grünen eine eigene Studie in Auftrag gegeben hatten. In den vergangenen zwei Monaten hätten Mitglieder des Schlichtungsteams eine Fahrplankonstruktion durchgeführt und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass Stuttgart 21 die Kapazität des Bahnhofs kaum erhöhe.

Palmer kündigte an, die Studie am Montag der Bahn vorlegen zu wollen. «Das finde ich schon bemerkenswert, dass die Bahn uns zuerst vom Stresstest ausschließt, sich dann beschwert, wenn man es selbst macht und das Ergebnis schließlich sogar kritisiert, ohne die Studie zu kennen», sagte Palmer.

Kefer hatte vor allem bemängelt, dass die Aussage der Untersuchung nach nur wenigen Monaten getroffen wurde, während die Bahn bei ihrem Stresstest erst im Juni mit einem Ergebnis rechnet. Palmer sagte, die von den Grünen beauftragten Wissenschaftler hätten lediglich eine Fahrplankonstruktion durchgeführt und nicht wie die Bahn eine komplette Computersimulation. Dennoch sei das Ergebnis relativ sicher. «Aus unserer Sicht ist da definitiv Ende», sagte er. «Mit den vorgesehenen Gleisen ist die erwartete Leistung nicht möglich.»

Für den Spitzenkandidaten der baden-württembergischen Grünen, Winfried Kretschmann, ist das Ergebnis der Fachleute der Beweis, dass «Stuttgart 21, wie es bisher gedacht war, nicht funktioniert». Das Stuttgarter Verkehrsministerium wies das im «Spiegel» als «durchschaubaren Versuch» zurück, die Menschen kurz vor der Landtagswahl zu verunsichern.

Die Deutsche Bahn hatte sich verpflichtet, einen Stresstest für den geplanten Bahnknoten Stuttgart 21 anhand einer Simulation durchzuführen. Sie muss dabei den Nachweis führen, dass ein Fahrplan mit 30 Prozent Leistungszuwachs möglich ist. Der Stuttgarter Hauptbahnhof soll in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt und an eine Schnellbahntrasse angeschlossen werden. Am Samstag demonstrierten bei der letzten Stuttgart-21-Großdemonstration vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27. März erneut mehrere tausend Menschen gegen das Bahnprojekt. dpa