nach oben
Die Diskothek "Grey" in Konstanz.
Die Diskothek "Grey" in Konstanz. © dpa
06.08.2017

«Gute Idee, aber zu früh»: Konstanzer Disco nach Schüssen wieder auf

Konstanz. Wenige Tage nach den tödlichen Schüssen an einer Konstanzer Diskothek hat das Tanzlokal ohne Zwischenfälle wieder eröffnet. Das «Grey» wurde von Beamten überwacht, der Andrang in der Nacht zum Samstag war laut Polizei überschaubar. Das Eintrittsgeld des Wochenendes soll der Familie des Opfers gespendet werden, hatte der Geschäftsführer der Disco «Grey» angekündigt.

Das Gebäude selbst trägt keine sichtbaren Spuren der Tat mehr: Die Einschusslöcher sind verschwunden und nur wer genau hinsieht, kann auf dem Boden noch Markierungen der Polizei entdecken, an der die Beamten Beweisstücke wie zum Beispiel Patronenhülsen gefunden haben. Rein äußerlich kann es also normal weitergehen - aber ist es okay, so kurz nach einer solchen Tat wieder zu eröffnen? Auf Facebook etwa wurde das in den vergangenen Tagen heftig diskutiert.

Der Geschäftsführer des Clubs, Christian Sieve, winkt bei der Frage ab. «Wenn wir in zwei oder drei Wochen wieder aufgemacht hätten, hätte es trotzdem Kritik gegeben», sagt er. Auch eine Gedenkminute war geplant. Aus Respekt vor dem bei der Schießerei getöteten Türsteher und den Verletzten und «im Gedenken an das Geschehen, soll im laufenden Geschäftsbetrieb am Wochenende jeweils in den Morgenstunden um 04.27 Uhr inne gehalten und der Musikbetrieb heruntergefahren werden.

Doch die Bluttat schockt auch Tage danach noch viele. Er könne noch nicht feiern, sagt beispielsweise Andreas, der an diesem Abend mit einem Freund zum «Grey» gekommen ist. «Die Idee mit der Spende an die Familie ist eigentlich gut, aber die Party ist viel zu früh», sagt der junge Mann. «Ich war gestern auf der Beerdigung des Türstehers, da kann ich jetzt nicht Party machen.» Sie hätten aber darüber nachgedacht, das Eintrittsgeld zu zahlen, damit es der Familie des Mannes zugutekomme, und dann wieder zu gehen.

Der Türsteher war im Eingangsbereich des Clubs getötet worden, als der 34-Jährige in der Nacht zum 30. Juli mehr als 20 Schüsse mit einem US-Sturmgewehr abgegeben hatte. Die Polizei hat in den vergangenen Tagen das Geschehen an der Disco «Grey» rekonstruiert: Demnach ist der Todesschütze zunächst mit den Security-Mitarbeitern in Streit geraten. Er hatte zuvor in dem Club randaliert und durfte ihn deswegen nicht mehr betreten. Der Mann lässt sich mit einem Taxi heimfahren, bewaffnet sich und zwingt den Fahrer, ihn erneut zur Diskothek zu bringen. Dort schießt er schon auf dem Parkplatz los, geht anschließend durch einen Vorraum und den Kassenbereich in das dahinter liegende Foyer sowie in den größten Tanzsaal, wo er zwei Schüsse Richtung Decke abfeuert.

Die furchtbare Bilanz: Der Türsteher wird getötet, ein weiterer Sicherheitsmitarbeiter, zwei Gäste sowie ein Polizist werden schwer verletzt. Der Todesschütze selbst stirbt ebenfalls - nach einem Schusswechsel mit den Beamten. Mindestens acht Menschen verletzten sich laut Polizei bei der panikartigen Flucht oder erlitten einen Schock.