nach oben
© dpa
13.05.2017

Hacker-Attacke legt Bahnanzeigen und Automaten lahm - Auch Pforzheim betroffen

Berlin/Stuttgart/Pforzheim. Leere Anzeigetafeln, lahmgelegte Ticketautomaten, ausgefallene Videokameras - die weltweite Hacker-Attacke hat auch die Service- und Überwachungstechnik der Deutschen Bahn beeinträchtigt. Jedoch sei der Zugverkehr von dem Cyber-Angriff nicht berührt gewesen, sagte Bahnchef Richard Lutz. «Auch in Baden-Württemberg fahren die Züge planmäßig», bestätigte ein Bahnsprecher auf Anfrage.

Auch am Pforzheimer Hauptbahnhof blieben die Anzeigetafeln mit Verweis auf Lautsprecherdurchsagen und Aushängefahrpläne leer. Die Automaten hingegen funktionierten einwandfrei.

«Sicherheitsrelevante Systeme waren nicht betroffen. Die Sicherheit des Bahnverkehrs war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet», sagte Lutz der «Bild am Sonntag». Das Früherkennungssystem der Bahn habe am Freitagabend angeschlagen. Die Bahn untersuche nun «mit Hochdruck», wie es zu der Attacke kommen konnte. Fest stehe, dass der Angriff durch E-Mails ausgelöst worden sei. Die Bahn fängt nach Lutz' Angaben jedes Jahr 150 Millionen Spam-Mails ab.

Die Bahn ist damit das einzige Unternehmen in Deutschland, von dem bislang bekannt wurde, das es von dem weltweiten Cyber-Angriff betroffen ist.

An mehreren deutschen Bahnhöfen - darunter auch im Südwesten - waren am Samstag die sogenannten Reiseinformationssysteme ausgefallen. Nur der Hinweis «Bitte Aushangfahrplan beachten» war auf den blauen Tafeln zu lesen. Außerdem informierte die Bahn mit Lautsprecherdurchsagen die Reisenden beispielsweise am Leipziger Hauptbahnhof über eine «technische Störung». Auch Ticketautomaten funktionierten an mehreren Bahnhöfen nicht.

Die Bahn bat Reisende, sich vor Fahrtantritt im Internet über Abfahrtszeiten und -gleise zu informieren. Die Internetseite bahn.de sowie die «Navigator-App» für Smartphones funktionierten ohne Einschränkung, sagte der Sprecher. An den Bahnhöfen seien die Reisezentren und Informationsschalter geöffnet.

Ein Trojanerangriff im Bereich der DB Netz AG hatte für Systemausfälle in verschiedenen Bereichen gesorgt. Nach Angaben der Bahn wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Störung zu beheben. Noch bis zum Nachmittag könne es zu Beeinträchtigungen kommen. Die Systeme müssten in jedem einzelnen Bahnhof vor Ort repariert werden, sagte ein Sprecher.

Seit Freitag waren weltweit Zehntausende Computer von einer großangelegten Attacke mit sogenannten Erpressungstrojanern betroffen. Die Schadsoftware verschlüsselt die Rechner und fordert Lösegeld, um sie wieder freizugeben. In der Nacht zum Samstag wurde die Angriffswelle gestoppt, nachdem ein IT-Sicherheitsforscher auf eine Art «Notausschalter» in der Schadsoftware stieß.

In Baden-Württemberg gab es wie in anderen Teilen Deutschlands vor allem Störungen an den digitalen Anzeigetafeln in Bahnhöfen. Die Bahn arbeite intensiv daran, sie zu beheben, heiß es. Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte der «Heilbronner Stimme», die IT-Infrastruktur sei so essenziell, dass sie für Kriminelle ein attraktives Ziel sei. «Um diese Gefahren wissen wir, deshalb stärken wir unsere Sicherheitsbehörden auch in diesem Bereich mit Personal und modernster Technik.»