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Alle drei Angeklagten bleiben vorerst in Haft. Die Haftbeschwerde der 45-jährigen Mutter wurde abgelehnt. Foto: dpa
siegel © dpa
17.06.2011

Haussklavin-Fall: Haftbeschwerde abgelehnt

MOSBACH. Alle Mitglieder der Familie, die im badischen Haßmersheim eine junge Frau als Haussklavin gehalten haben soll, bleiben vorerst in Haft. Das Landgericht Mosbach lehnte die Haftbeschwerde der 45 Jahre alten Mutter ab.

Die Entscheidung des Gerichts wurde ihrem Anwalt Günther Silcher am Freitagnachmittag zugestellt, teilte der Jurist der Nachrichtenagentur dpa mit. Er bezeichnete die Entscheidung als «nicht nachvollziehbar» und kündigte an, vor das Oberlandesgericht zu ziehen.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt die Familie, eine 20-jährige Frau aus Würzburg über ein Jahr lang als Haussklavin festgehalten, misshandelt und bedroht zu haben. Der 51-jährige Familienvater, seine Frau und der Sohn sitzen seit rund einer Woche wegen Verdachts der Geiselname in Untersuchungshaft.

Der Haftbefehl gegen die 45-Jährige weise juristische und handwerkliche Fehler auf, sagte Silcher. «Meine Mandantin sagt, das Mädchen wurde nie weggesperrt oder beaufsichtigt; sie bestreitet, jemals dieses Mädchen geschlagen zu haben». Die junge Frau sei oft alleine unterwegs gewesen und habe jederzeit kommen und gehen können.

Die 20-jährige - eine Internetbekanntschaft des Sohnes - war im März 2010 zu der Familie gezogen. Auf der Suche nach einer Bleibe sei die junge Frau in der Wohnung der Familie in Eppingen (Landkreis Heilbronn) untergekommen und im Februar mit nach Haßmersheim umgezogen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau zwar freiwillig zu der Familie zog, dann jedoch mit Gewalt festhalten wurde.

Das Opfer war laut Staatsanwaltschaft durch ein geöffnetes Fenster geflohen und hatte sich mit Hilfe von Bekannten bei der Polizei gemeldet. «Meine Mandantin bestreitet das. Sie ging ganz normal wie immer aus dem Haus», sagte Silcher. Die Festnahme und die Vorwürfe hätten die Familie völlig überrascht.

Das Ehepaar war 2002 bereits vom Landgericht Heidelberg verurteilt worden, weil es die jüngere Schwester der Ehefrau über längere Zeit gefangen gehalten und misshandelt hat. Sichler hatte im damaligen Prozess das Opfer vertreten. dpa