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Ein Blick auf das Schloss, Heidelbergs Wahrzeichen. Die Stadt plant, Ausländer zukünftig besonders herzlich zu empfangen.
Ein Blick auf das Schloss, Heidelbergs Wahrzeichen. Die Stadt plant, Ausländer zukünftig besonders herzlich zu empfangen. © dpa
12.04.2014

Heidelberg plant Wohlfühl-Ausländerbehörde

Ausländerbehörden sind nicht gerade für ihre angenehme Atmosphäre bekannt. In Heidelberg soll sich das bald ändern: Hier entsteht ein Willkommenszentrum mit integrierter Behörde - Kaffee, Tee und Lesungen inklusive. Es soll gemütlich werden.

Heidelberg will Neuzuwanderer in Zukunft herzlicher empfangen. «Sie müssen nicht überversorgt werden, aber sie müssen ernst genommen werden», sagte Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) der Nachrichtenagentur dpa. Im Sommer soll ein internationales Willkommenszentrum eröffnen - gedacht als Kulturzentrum mit integrierter Ausländerbehörde. Der Umbau läuft. «Wir sind als Stadt dringend auf Fach- und Führungskräfte angewiesen», sagte Würzner. Die Willkommenskultur des Zentrums richte sich aber ausdrücklich auch an Flüchtlinge.

Neben den üblichen Behördengängen sollen Migranten dort auch Lesungen und Vorträge geboten werden. «Jeder, der zu uns kommt, ist am Anfang ein Suchender, er soll sich erst einmal wohlfühlen», sagte Würzner. Kulturelle Vielfalt sei wichtig, damit sich Migranten überhaupt in Heidelberg niederließen. «Wir sind eine Stadt, die schon immer davon gelebt hat, dass Menschen aus dem Ausland sich hier wohlfühlen.»

Die Initiatoren wollen in dem «International Welcome Center» daher eine angenehme, gemütliche Atmosphäre schaffen: Begrüßung in der eigenen Landessprache, Kaffee und Tee und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, um sich in der neuen Heimat zu vernetzen. «Es sollte jeder Andockpunkte zu seiner eigenen Kultur finden», sagte der Oberbürgermeister. «Ein so weitgehendes Modell kenne ich in dieser Form bislang noch nicht.»

Eine Behörde aufzusuchen, sei für viele Migranten eine Hürde. Das neue Zentrum solle helfen, Berührungsängste abzubauen. «Man sollte sich auch anvertrauen können.» Die Ausländerbehörde sei bislang eine Selektions- und Prüfungsbehörde, das solle sich ändern, sagte Würzner. «Bisher warten diese Menschen dort an der Tür, bis sie eingelassen werden und werden dann namentlich erfasst. Das ist alles andere als eine Willkommensgeste.» Für das Projekt nimmt die Stadt laut Würzner mehr als eine halbe Million Euro in die Hand.