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Das Amtsgericht Heilbronn wird sich demnächst mit einem Kinderporno-Skandal beschäftigen müssen, bei dem die evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn eventuell zu spät reagiert hat.
Das Amtsgericht Heilbronn wird sich demnächst mit einem Kinderporno-Skandal beschäftigen müssen, bei dem die evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn eventuell zu spät reagiert hat.
13.03.2018

Heilbronner Kirche nach Kinderporno-Skandal in Erklärungsnot

Heilbronn. 2016 wird der Leiter eines kirchlichen Kindergartens mit Kinderpornos erwischt, im Sommer 2017 erfährt der Träger davon, erst im Januar fliegt der Erzieher. Auch Missbrauchvorwürfe werden laut. Der Schock bei den Eltern sitzt tief, die Kirche ringt um Erklärungen.

Im Fall eines in Missbrauchs- und Kinderporno-Vorwürfe verstrickten Ex-Kindergartenleiters gerät die Kirche immer mehr in Erklärungsnot. Wie der mit der Aufklärung beauftragte Pfarrer Matthias Treiber sagte, wusste der für die Kindergärten zuständige Kirchenpfleger seit Sommer 2017 von den Vorwürfen gegen den Erzieher. Bislang hieß es bei der Landeskirche, erste Infos stammten aus dem November, man habe sofort gehandelt.

Warum der Kirchenpfleger über Monate nichts tat, müsse aufgeklärt werden, sagte Treiber. «Bis Ostern sollten wir soweit sein.» Der Kirchenpfleger habe seine Verantwortung für 24 kirchliche Kindergärten abgegeben. Treiber zufolge hatte sich der Erzieher dem Kirchenpfleger gegenüber als unschuldig dargestellt - er sei da «in was reingeraten». Der Auflösungsvertrag sei tatsächlich erst am 17. Januar unterschrieben worden, noch am 18. und 19. Januar sei der Erzieher aber im Kindergarten gewesen. Treiber sprach von bisher «unerklärlichen Abläufen» in der Kirche.

Fast zwei Jahre zuvor, im Februar 2016, war der Erzieher beim Tauschen von Kinderpornos erwischt worden. Im Mai 2016 wurden bei einer Hausdurchsuchung mehr als 10 000 Bilder und 900 Videos mit kinderpornografischem Inhalt gefunden. Dass bis zur ersten Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft im Januar 2018 mehr als eineinhalb Jahre vergingen, bezeichnete ein Sprecher des Amtsgerichts Heilbronn als «nicht unüblich». Die Prüfung der Bilder sei extrem langwierig.

Warum glaubte der Kirchenpfleger dem Erzieher? «Wenn man sowas erfährt, muss man handeln», meinte Treiber. Der in Haft sitzende Erzieher sei privat umtriebig gewesen, habe Geburtstagspartys und Ausflüge organisiert und ehrenamtlich sehr viele Kontakte gehabt. 2014 wurde der Mann von der damaligen Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) für seine Arbeit ausgezeichnet.

Die Landeskirche wollte die Vorwürfe gegen den Kirchenpfleger nicht kommentieren. Formal sei die Gesamtkirchengemeinde Heilbronn zuständig, Stuttgart habe da keinen tieferen Einblick, sagte ein Sprecher. Bisher hieß es dort, erste Hinweise habe es im vergangenen November gegeben - dann sei sofort gehandelt worden. In einem ersten Schritt sei dafür gesorgt worden, dass der Erzieher nicht mehr alleine mit Kindern in einem Raum sein sollte. Als die Anklage am 8. Januar vorlag, sei der Verdächtige umgehend freigestellt worden.

Nachdem Ende vergangener Woche bekannt wurde, dass der Mann einen Achtjährigen sexuell missbraucht und das mit Kamera aufgenommen haben soll, wurde ein für den 16. März geplanter Prozess aufgehoben, bei dem es allein um den Besitz und das Verbreiten von Kinderpornos gehen sollte. Nun besteht auch der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs.

Den Jungen und seine Familie kannte der Erzieher Treiber zufolge privat. Hinweise darauf, dass der Mann im Kindergarten Aufnahmen machte oder Kinder missbrauchte, gebe es nach wie vor nicht. «Aber was kann man in diesem Fall schon noch sicher sagen?»

Isis
13.03.2018
Heilbronner Kirche nach Kinderporno-Skandal in Erklärungsnot

Die soll nicht ringen , die Kirche, sondern Entschädigung blechen. mehr...