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11.03.2011

"Hells Angels"-Mitglied erstmals vor Gericht befragt

HEILBRONN. Im großen Stil soll ein führendes Mitglied der Rockerbande «Hells Angels mit zwei Komplizen Kokain verkauft haben. Am Freitag äußerte sich der 48 Jahre alte Angeklagte erstmals vor dem Heilbronner Landgericht. Allerdings sprach er nur über seine Lebensgeschichte, nicht über die Taten. Er habe selbst jahrelang Kokain genommen, sagte er.

«Der Konsum steigerte sich am Ende ins Unermessliche. Ich musste Schlaftabletten nehmen, um wieder runterzukommen», antwortete das Rockerbandenmitglied auf Nachfrage des Richters. Der Mann aus Neckarsulm ist in zweiter Ehe verheiratet und hat eine 14-jährige Tochter.

Bei den «Hells Angels» war er nach eigener Aussage als so genannter «Sergeant at Arms» für die Disziplin im Club zuständig. Der Arbeitslose gab sich am zweiten Verhandlungstag einsichtig. Mit Blick auf seine Tochter sagte er: «Im Gefängnis in Stammheim habe ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich will weg von den Drogen und will eine Therapie machen.»

 

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seit Oktober 2009 mehrmals Kokain in Mengen von jeweils rund 500 Gramm in Belgien erworben und an Mitglieder der Rockerbande verkauft zu haben. Mitangeklagt sind seine 38-jährige Frau und sein 59-jähriger Schwiegervater, der mehrmals Kurierfahrer gewesen sein soll. Dem «Hells-Angels»-Mitglied und seiner Frau wird zudem zur Last gelegt, mit zwei weiteren Mitgliedern des Rockerclubs in einer Werkhalle eine Cannabis-Plantage betrieben zu haben. Das Ehepaar soll mit dem Rauschgifthandel seinen Lebensunterhalt finanziert haben.

Nach der Festnahme seines Schwiegervaters und seiner Frau im Mai vergangenen Jahres war der 48-Jährige bei anderen «Höllenengeln» untergetaucht und im August von einer Spezialeinheit in Graz (Österreich) festgenommen worden. Im Fall einer Verurteilung drohen dem «Hells-Angels»-Mitglied zwischen 5 und 15 Jahren Gefängnis. Der Prozess wird am 30. März (13.30) fortgesetzt.