nach oben
Lange Haftstrafen erhielten vier Männer, die im Großraum Karlsruhe Gegenstände wie dieses Nagelbrett auf die Straße gelegt haben und für mehrere Brandstiftungen verantwortlich waren.
Lange Haftstrafen erhielten vier Männer, die im Großraum Karlsruhe Gegenstände wie dieses Nagelbrett auf die Straße gelegt haben und für mehrere Brandstiftungen verantwortlich waren. © dpa/Polizei
11.12.2012

Hindernisse auf Straßen gelegt: Lange Haftstrafen

Das Landgericht Karlsruhe hat vier Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie Hindernisse auf Straßen gelegt und damit Menschen in Lebensgefahr gebracht hatten. Die zwischen 23 und 30 Jahre alten Angeklagten bekamen am Dienstag Strafen zwischen fünfeinhalb und neun Jahren.

Die Männer hatten unter anderem Gullydeckel, einen Fernseher und Nagelbretter auf Straßen um Karlsruhe platziert. Zudem hatten sie mehrere alte Fahrzeuge und Strohballen angezündet.

Die Angeklagten hatten die Taten vor Gericht gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen versuchten Mord, gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr sowie Brandstiftung vorgeworfen.

In vier Fällen sei der Tatbestand des versuchten Mordes erfüllt, begründete Richter Leonhard Schmidt das Urteil. Wegen der vielen Einzelstrafen seien die Gesamtstrafen trotz günstiger Sozialprognosen und der umfassenden Geständnisse verhältnismäßig hoch ausgefallen, erläuterte er.

Über das Motiv der Männer gab es bis zuletzt keine Klarheit. Alle vier Angeklagten stammen aus gesicherten Verhältnissen, hatten einen Job und keine psychischen Probleme. Pure Abenteuerlust wollte das Gericht nicht als Erklärung für die Taten gelten lassen. Die Angeklagten hätten mit dem Leben von arglosen Verkehrsteilnehmern gespielt und Schwerverletzte oder Todesopfer billigend in Kauf genommen.

Die Angeklagten waren im März gefasst worden. Sie sollen ein Jahr lang ihr Unwesen getrieben haben. Es gab zahlreiche Unfälle, bei denen nach Auskunft der Ermittler „wie durch ein Wunder niemand verletzt wurde“. Als Motive gaben die Männer Imponiergehabe und den Reiz des Nicht-Erwischtwerdens an.

Laut Anklage haben die Männer 19 Mal Hindernisse auf Straßen im nördlichen Landkreis Karlsruhe und im südlichen Rhein-Neckar-Kreis gestellt - neben dem 30 Kilogramm schweren Gullydeckel sowie Betonbrocken auch Fernsehgeräte, Sockel von Verkehrsschildern, einen Zementsack und ein dunkel lackiertes Brett mit 29 herausstehenden Schrauben. Ein anderes Mal hatte die Bande nach Überzeugung der Ermittler in einer Kurve mehrere Liter Altöl ausgeschüttet und im Winter Eisplatten erzeugt. „Ein Motorradfahrer hätte keine Chance gehabt“, erinnert sich ein Polizist.

Der Gruppe wurden außerdem zehn Brandstiftungen zur Last gelegt. Die Männer sollen unter anderem einen Bagger und einen Linienbus sowie mehrere Autos und 120 Strohballen angezündet haben. Der Schaden summiert sich nach Schätzungen auf mehr als 100.000 Euro. dpa/pol

Leserkommentare (0)