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25.07.2015

Hitzegewitter richten Schäden an - Festivals wegen Sturm abgeblasen

Stuttgart/Bregenz (dpa/lsw) - Unwetter mit böigem Wind, Starkregen und Gewitter haben in Baden-Württemberg erneut Schäden hinterlassen. Blitze setzten mehrere Dachstühle in Brand, Bäume stürzten um, Dachziegel flogen durch die Luft. Die Gefahr war am Samstag noch nicht gebannt. Die Polizei sprach von vielen Schäden, meldete aber keine Verletzten. Mehrere Veranstaltungen im Freien fielen in der Nacht zum Samstag ins Wasser, etwa das Musik-Open-Air «Das Fest» in Karlsruhe oder das «Stuttgart Festival». Eine Aufführung bei den Bregenzer Festspielen musste von der Seebühne ins Festspielhaus verlegt werden.

Tief «Zeljko» zog in der Nacht an der französischen Grenze ins Land und entwickelte sich schnell zu einem Sturmtief, wie der Deutsche Wetterdienst mit Sitz im hessischen Offenbach mitteilte. Vor allem der Rhein-Neckar-Kreis und die Städte Mannheim und Heidelberg waren betroffen. Zum Teil schwere Sturmböen von über 90 Stundenkilometer fegten übers Land.

Zwei Wohnhäuser in Wilhelmsfeld (Rhein-Neckar-Kreis) wurden von Blitzen getroffen. Einer davon durchschlug laut Polizei eine Hauswand und beschädigte Inventar in einem Zimmer. Das Loch sei von der Feuerwehr provisorisch verschlossen worden. Der zweite Blitz zerstörte eine Telefonleitung.

Starke Regenschauer überfluteten im Zollernalbkreis zahlreiche Straßen, Keller liefen voll. Allein in Ratshausen staute sich das Wasser in etwa 30 Kellern. Die Feuerwehren in der Region waren pausenlos im Einsatz, wie die Polizei mitteilte. Mehr als ein Dutzend Gebäude wurden für die Dauer der Einsätze evakuiert. Im Schwarzwald fiel in kurzer Zeit so viel Regen, dass sogar Gullydeckel vom Wasser angehoben wurden.

In Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) machte sich ein Pkw-Anhänger selbstständig und rollte in einen Zaun. In Eberbach stürzte ein Baum um und bedeckte zwei Autos. Auch in Mannheim und Heidelberg fielen Bäume um; Dachziegel flogen durch die Luft, Verkehrsschilder wurden beschädigt. Das Unwetter löste mancherorts Einbruchalarme aus. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden auf mehrere 10 000 Euro.

Für Tausende Besucher der Bregenzer Festspiele ging eine Abendvorführung der Puccini-Oper «Turandot» frühzeitig zu Ende. Es hatte am Bodensee so heftig geregnet, dass die Veranstalter nach etwa einer Stunde Zuschauerränge und Seebühne räumen ließen, sagte ein Sprecher. Wer dagegen eine Eintrittskarte für das angrenzende Festspielhaus besaß, konnte die Oper im Trockenen weiter ansehen. 

Das Karlsruher Musik-Open-Air «Das Fest» wurde zum ersten Mal in seiner 31-jährigen Geschichte wegen Unwetters abgebrochen. Das Technische Hilfswerk pumpte Wasser auf dem Gelände ab. Gestartet war die Riesensause am Freitag noch bei bestem Wetter.

Das «Stuttgart Festival» auf dem Areal der Landesmesse am Stuttgarter Flughafen ging für rund 2500 Besucher ebenfalls frühzeitig zu Ende. Starke Windböen wehten auf dem Areal mehrere Zelte um. Noch bevor das Unwetter hereinbrach, wurden die Feiernden laut Polizei vorsorglich in angrenzenden Messehallen untergebracht. Die Besucher konnten das Gelände aber schließlich mit Sonderzügen verlassen.

Trotz der vielen Unwetter in den vergangenen Wochen locken die Freibäder im Land mehr Besucher an als im vergangenen Jahr: In den fünf großen Stuttgarter Freibädern etwa erfrischten sich laut einer Umfrage der Deutschen-Presse Agentur bis zum 21. Juli fast 557 200 Menschen. Das sind etwa 1800 mehr als in der gesamten Saison 2014 (555 381).

Für Samstag erwarteten die Meteorologen erneut schwere Sturmböen von bis zu 110 Stundenkilometer und viel Regen, der DWD gab Unwetterwarnungen für Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen heraus. Am Sonntag soll es noch einmal sommerlich bei bis zu 24 Grad werden. Der Ausblick in die nächste Woche verspricht weiter Besserung.