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Tret- und Motorbootverleiher Markus Greulich räumt im überfluteten Hafenbecken von Langenargen am Bodensee einige Schwimmwesten auf. Durch das Hochwasser steht das Kassenhäuschen etwa einen halben Meter im Wasser.
Tret- und Motorbootverleiher Markus Greulich räumt im überfluteten Hafenbecken von Langenargen am Bodensee einige Schwimmwesten auf. Durch das Hochwasser steht das Kassenhäuschen etwa einen halben Meter im Wasser. © dpa
18.06.2016

Hochwasseralarm nach neuen Regengüssen an Oberrhein und Bodensee

Die Wasserstände von Rhein und Bodensee steigen, an den Ufern wappnen sich Einsatzkräfte gegen Überschwemmungen. Für den Verkehr auf Straßen, Gleisen und Flüssen im Südwesten gibt es Einschränkungen. Meteorologen warnen bereits vor neuen Gewittern.

Heftige Gewitter machen den von Unwettern geplagten Menschen in Baden-Württemberg weiter zu schaffen. Vor allem in der Südhälfte des Bundeslandes sind Einsatzkräfte seit Freitag mit Überflutungen von Straßen und anderen Gewitter-Folgen beschäftigt, wie das Lagezentrum des Stuttgarter Innenministeriums am Samstag mitteilte.

Starkregen hat die Wasserstände an Rhein und Bodensee am Samstag in Baden-Württemberg auf kritische Werte ansteigen lassen. Retter von Polizei und Feuerwehr rund um den Bodensee rückten am Morgen zu Einsätzen an den Ufern aus, bereiteten Sandsäcke vor und richteten Umleitungen ein. Das teilten Polizei und die Stadtwerke in Konstanz mit. Gefahren für Anwohner oder den Verkehr gab es zunächst nicht: Betroffene Straßen waren demnach schnell abgesperrt, Überschwemmungen hielten sich in Grenzen. Doch das Wasser im See sollte am Wochenende laut Vorhersage weiter steigen - neuer Regen wurde erwartet.

Der Wasserstand des Bodensees überschritt am frühen Morgen die Fünf-Meter-Marke. Der Pegel entspreche einem zehnjährigen Hochwasserstand, sagte Rüdiger Friese, Hydrologe bei der Hochwasser-Vorhersagezentrale des Landes Baden-Württemberg. «Wir haben deutlich erhöhte Wasserstände.» Beim letzten größeren Hochwasser am Bodensee im Mai 1999 lag der Wasserstand bei 5,65 Metern am Pegel Konstanz.

Auf dem Damm, der zur Bodenseeinsel Reichenau führt, war nur noch ein Radweg befahrbar. Uferwege blieben für Spaziergänger gesperrt. Im Kreis Konstanz riegelte die Polizei mehrere Straßen am Seeufer für den Verkehr ab, darunter die Strecke zwischen Radolfzell und Moos. Auch eine Bahnstrecke nahe Konstanz blieb die ganze Nacht gesperrt. Nahe Radolfzell war ein Blitz in einen Baum eingeschlagen, der dann auf die Oberleitung stürzte. Die Strecke wurde am Samstag wieder freigegeben.

Der Fährbetrieb auf dem Bodensee lief am Samstagmorgen noch ohne Einschränkungen. Lediglich für Autofähren mussten nach Angaben eines Sprechers der Konstanzer Stadtwerke Rampen an den Anliegestellen angebracht werden. Das Wasser im See sei langsamer gestiegen als erwartet.

Bis Montag erwartet die Vorhersagezentrale, dass das Wasser im Bodensee wegen neuer Gewitter mit vereinzeltem Starkregen noch geringfügig weiter ansteigt. «Wir gehen von einem weiteren leichtem Anstieg bis 5,20 Meter aus», sagte Friese. «Das ist keine Situation, die in Städten zu großen Schäden führt.» Einzelne Uferbereiche könnten aber überschwemmt werden.

Rund 100 Schiffe sitzen weiter auf dem Oberrhein fest. Wegen Hochwassers pausieren sie zwischen Iffezheim (Baden-Württemberg) und Germersheim (Rheinland-Pfalz). Sie könnten wohl erst kommende Woche weiterfahren, sagte ein Sprecher des für Wasserschutz verantwortlichen Polizeipräsidiums in Göppingen. Im Oberrhein sollte die Spitze der Hochwasserwelle am Pegel Maxau am Samstagmittag erreicht werden. Der Fluss überstieg bei Karlsruhe am Morgen bereits einen Wasserstand von acht Metern.

Der Rheinabschnitt zwischen Iffezheim und Germersheim war bereits am Dienstag für Schiffe gesperrt worden. Der Neckar blieb laut Behörde durchgehend frei befahrbar.

Die Schauer über Deutschland legen laut Prognosen nun erstmal eine kurze Pause ein: Für diesen Sonntag und vor allem für Montag erwarten die Meteorologen trockenes Wetter mit Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 27 Grad - sowohl im Südwesten wie bundesweit. Das teilte der Deutsche Wetterdienst mit Sitz im hessischen Offenbach mit. Wie lange das Sommerhoch bleibt, ist demnach aber ungewiss.