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hockenheim © picture alliance / dpa
18.06.2014

Hockenheimring-Chef im Clinch mit Ecclestone - Region besorgt

Hockenheim (dpa/lsw) - Im Ringen um den Großen Preis von Deutschland droht ein Vertragsstreit zwischen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und dem Hockenheimring. «Es gibt keine Ausstiegsklausel aus dem Vertrag», versicherte Rennstrecken-Geschäftsführer Georg Seiler der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht des «Mannheimer Morgen».

Ecclestone hatte zuvor Verhandlungen mit den Nürburgring-Besitzern eingeräumt, die sich von 2015 an für fünf Jahre die Rechte für den deutschen Grand Prix sichern wollen und bereits ein Einvernehmen mit dem Briten meldeten.

Seiler widersprach der Darstellung von Ecclestone, dass der für 2016 und 2018 geschlossene Kontrakt für den Großen Preis von Deutschland unter bestimmten Bedingungen kündbar sei. Ecclestone hatte im Interview mit dem Fachmagazin «auto motor und sport» anklingen lassen, dass er im Falle eines besseren Angebots den Veranstalter in Deutschland wechseln könne. Der nächste Große Preis von Deutschland findet am 20. Juli auf dem Hockenheimring statt.

Ein Aus des Hockenheimrings als Rennstrecke für Formel-1-Veranstaltungen brächte der Region Millionen- Verluste. Auf 40 Millionen Euro taxiert Artin Adjemian, der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar, die Einnahmen an einem Formel-1-Wochenende im nordbadischen Motodrom.

Im Umkreis von 100 Kilometern profitierten Hoteliers, Gastronomen und der Einzelhandel von dem Spektakel, sagte Adjemian der Nachrichtenagentur dpa. Ein Ende von Hockenheim als Gastgeber der Königsklasse würde «einen finanziellen und imagemäßigen Verlust» bedeuten: «Baden-Württemberg ist schließlich das Automobilland Nummer eins in Deutschland.» Der Hockenheimring ist zudem auch Schauplatz großer Rockkonzerte und von Musikfestivals.

Die Mitteilung der Nürburgring-Betreiber über einen angeblichen Deal mit Ecclestone hatte in Hockenheim für große Verärgerung gesorgt. In den vergangenen Jahren hatten die beiden Traditionskurse im Wechsel den Großen Preis von Deutschland ausgerichtet. Diese Lösung war durch die finanziellen Probleme der Rennstrecken zustande gekommen und 2009 vertraglich fixiert worden.

Der seither gültige Vertrag sieht geringere Lizenzgebühren als früher vor. 2012 überwies der Hockenheimring, der zu 94 Prozent in städtischem Besitz ist und ohne Landeszuschüsse auskommen muss, rund 15 Millionen Euro an Ecclestones Firma - bei Rennen in Asien kassiert der Promoter bis zum Doppelten.

Vor zwei Jahren kamen 59 000 Zuschauer zur Formel 1 ins Motodrom. Die Veranstaltung brachte zumindest keine roten Zahlen. Auch für das Rennen im Juli geht Hockenheim nicht von einem Verlustgeschäft aus.

Politiker äußerten sich besorgt über den Streit zwischen den beiden Strecken-Betreibern. «Die Formel I auf der Traditionsstrecke in Hockenheim ist eines der sportlichen Höhepunkte in Baden-Württemberg. Ein Abzug der Formel I wäre sehr bedauerlich und ein großer Verlust», sagte die sportpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Viktoria Schmid, am Mittwoch. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius (CDU), zeigte sich dagegen hocherfreut über die Zukunft der Formel-1-Rennen am Nürburgring.