nach oben
02.08.2009

Homosexuelle feiern Christopher Street Day

STUTTGART. Bunt muss es sein und schrill, aber eben auch politisch. Beim zehnten Christopher Street Day in Stuttgart haben Schwule und Lesben unter dem Motto „macht Mut“ friedlich, aber nicht leise für ihre Rechte demonstriert. Trotz hochsommerlicher Temperaturen verfolgten rund 200 000 Zuschauer am Samstag die Parade.

Während die einen fröhlich mitfeiern, tanzen und applaudieren, stehen andere mit starren Mienen auf dem Stuttgarter Marienplatz. Auf Transparenten und Fahnen machen die Anhänger der Pius Bruderschaft ihren Unmut über die Homosexuellen deutlich. „Gott lässt seiner nicht spotten“ und „Sünde macht nicht glücklich“, ist dort zu lesen.
Von den Männern und Frauen um sie herum ernten sie nur ungläubige Blicke. Alex und Oli, ihre vollständigen Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen, stehen eng umschlungen vor den schweigenden Anhängern der Pius-Bruderschaft. „Wieso Sünde? Wir tun doch nichts Falsches“, sagen beide. Die Stimmung lassen sie sich von den schweigenden Anklägern nicht verderben. Und auch viele andere reagieren entspannt. Zwei Männer beziehen direkt vor einem der Transparente Stellung und küssen sich zärtlich. Ein weiterer stellt sich mit einem eigenen Transparent vor die Demonstranten: „Einige Pius verharmlosen den Holocaust“ hat er mit schwarzem Filzstift darauf geschrieben.
Von fern sind schließlich die ersten Trommelwirbel, Bässe und Pfiffe des Umzugs zu hören. Alex und Oli reihen sich rasch in die Gruppe der Feiernden ein. Zwei Transvestiten in goldenen Kleidern eröffnen das Spektakel. Ihnen voraus geht ein Ordner mit der Regenbogenfahne, dem Symbol der homosexuellen Szene.
Die Zuschauer bekommen in der glühenden Sommersonne nicht nur etwas fürs Auge geboten. Zwar tanzen in, vor und hinter den Wagen Männer und Frauen in abenteuerlich bunten Kostümen. Neon ist in diesem Jahr angesagt, Federboas und riesige Flügel in Rosa und Grün. Aber fast immer verstecken sich irgendwo die Bitte und der Wunsch nach Toleranz und weniger Diskriminierung. „Adoption ermöglichen“ steht auf einem der Wagen und „Familie ist dort wo Liebe und Geborgenheit ist. Auch bei zwei Müttern oder zwei Vätern.“
Für Partylaune sorgen die Cheerluders. Die Männer tragen allesamt hautenge Ledershorts und gelbe T-Shirts mit Namenszug. Markus, Udo, Andi und wie sie alle heißen, können weiblichen Cheerleadern durchaus das Wasser reichen. Vor allem, wenn es um die Stimmung und das richtige „puscheln“ geht. Wo sie auftauchen, wird am Straßenrand wild geklatscht und gejubelt. Mehr als zwei Stunden dauert der Umzug vom Marienplatz in Richtung Planie. Dort versammeln sich die 55 Gruppen mit insgesamt den 2000 Teilnehmern zur Abschlusskundgebung. „Alles ist friedlich verlaufen“, sagt eine Polizistin zufrieden. Nur einigen wenigen sind die Hitze und manchmal auch der Alkohol zu viel geworden. dpa