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Homosexuelle Paare im Pfarrhaus? Eine alles klärende Regelung im Sinne einer EKD-Linie hat die evangelische Landessynode in Baden nicht beschlossen.
Homosexuelle Paare im Pfarrhaus? Eine alles klärende Regelung im Sinne einer EKD-Linie hat die evangelische Landessynode in Baden nicht beschlossen. © dpa
17.04.2011

Homosexuelle im Pfarrhaus: Badische Synode uneins

BAD HERRENALB. Die Atmosphäre ist spannungsgeladen am Samstagmorgen in der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb. Mitglieder der Landessynode Baden strömen zum Tagungssaal. «Ein heißes Thema», sagt eine Frau im Aufzug. «Ich habe gehört, die beantragen eine Nichtbefassung», sagt eine andere. Das «heiße Thema», über das die Synode beraten und abstimmen soll, erregt seit Monaten die Gemüter vieler evangelischer Christen in Baden: Es geht um die Frage, ob homosexuelle Pfarrer und Pfarrerinnen künftig gemeinsam mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben dürfen.

Zahlreiche Briefe sind in der Geschäftsstelle in Karlsruhe eingegangen. Viele haben sich angesichts liberaler Zeiten für eine liberale Regelung ausgesprochen. Andere wetterten dagegen und bezogen sich dabei meist auf eine Verdammung von Homosexualität durch die Bibel: «Paulus schreibt ganz deutlich, dass widernatürlicher Geschlechtsverkehr eine Schande in den Augen Gottes ist», empörte sich ein Gegner. Die Befürworter würden sich «die Bibel nach eigenen Wunschvorstellungen und Lustgefühlen zurechtbiegen», kritisierte ein anderer. Einige drohten mit Kirchenaustritt.

«Man muss kein Prophet sein, um in dieser Frage kontroverse Diskussionen vorherzusehen», sagt der Vorsitzende des Hauptausschusses, Theo Breisacher. «Aber diesen Grad der Erregung haben wir nicht erwartet.» Irgendwann hätten sie die Stapel aus Stellungnahmen in Zentimetern gemessen. «Die zustimmenden Briefe waren drei Zentimeter hoch, die ablehnenden zweieinhalb.» Sein Hauptausschuss hatte aufgrund dieser großen Unstimmigkeit vorgeschlagen, keine Regelung zur Wohnungsfrage ins Kirchengesetz zu schreiben. Die betroffenen Gemeinden müssten und könnten damit weiterhin im Einzelfall selbst entscheiden.

Bei dem Gesetz handelt es sich um ein gemeinsames Pfarrerdienstrecht, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf den Weg gebracht hat - in der Hoffnung, dass alle 22 Landessynoden ihm zustimmen. Im EKD-Gesetz ist die Wohnrecht-Frage dabei offen formuliert - so offen, dass sie ein Wohnrecht für Homosexuelle im Pfarrhaus einbezieht: Ein «familiäres Zusammenleben» solle im Pfarrhaus stattfinden, «verlässlich, verbindlich und verantwortungsvoll». Dies wollen konservative Kreise in der Landessynode nicht hinnehmen. Sie fordern ein ausdrückliches Verbot für homosexuelle Lebenspartnerschaften im Pfarrhaus.

Es wurde lange diskutiert, aber näher gekommen sind sich beide Seiten in Bad Herrenalb letztlich nicht. Am Ende entschied die Synode, dass es keine gesetzliche Regelung geben wird - die badische Landeskirche weicht in diesem Punkt vom bundesweiten Kurs ab. «Wir können nicht nach Mehrheiten über die Interpretation der Bibel abstimmen», sagt Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein. Damit entscheidet weiterhin die Kirchenverwaltung, ob sie im Einzelfall an dem bisherigen Verbot festhält oder in Absprache mit den betroffenen Gemeinden Ausnahmen zulässt. Der Oberkirchenrat hatte jedoch bereits im Vorfeld eine Öffnung in dieser Frage signalisiert. dpa