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«Hotel Stuttgart 21» bleibt vom Widerstand unberührt © dpa
23.12.2011

«Hotel Stuttgart 21» bleibt vom Widerstand unberührt

Stuttgart. Bahnfahrer auf Schlafplatzsuche in Stuttgart stolpern mit Sicherheit über das stadtnahes Quartier: «Hotel Stuttgart 21». Vor rund acht Jahren verpasste der damalige Pächter dem nach ihm benannten «Hotel Ruff» den neuen Namen.

Damit wollte er dem Haus ein neues, modernes Image verpassen und in unmittelbarer Nähe des geplanten S21-Bahnareals Reisegäste und Geschäftsleute anlocken.

Vor sechs Jahren übernahm das internationalen Unternehmen «Best Western» das Haus. Die heutige Managerin Kirsten Hüppchen erinnert sich: «Damals wurde das Thema Stuttgart 21 in der Öffentlichkeit kaum diskutiert». Der Name «Stuttgart 21» hatte einen guten Klang.

Das änderte sich mit dem «Schwarzen Donnerstag» im vergangenen Jahr schlagartig. Damals waren bei einer Demonstration im Schlossgarten mehr als hundert Demonstranten verletzt worden. Mit der Protestwelle rückte auch der Hotelname in ein neues Licht. «Besorgte Anrufer aus ganz Deutschland fragten: Kommen wir zu Ihnen überhaupt durch? Ist die Stadt gesperrt? Was haben Sie mit dem Projekt am Hut?», blickt Hüppchen zurück.

Sie konnte die Gäste beruhigen, denn das Hotel wurde nie zur Zielscheibe von S21-Vandalen. Lediglich Anti-Stuttgart-21-Aufkleber wurden auf Wegweisern über den Hotelnamen geklebt. «Über so etwas kann ich lächeln», sagt die 41-Jährige. «Der Protest tangiert uns nicht. Wir sehen den Namen positiv». Damit treffe sie sich mit der Mehrzahl ihrer Gäste. Vor allem Geschäftsleute aus dem In- und Ausland könnten nicht verstehen, weshalb gegen den Bau eines innovativen Bahnhofs demonstriert wird. Hüppchen sieht in dem Milliarden-Projekt eine große Chance für die Stadt: «Wir stehen dahinter».

Mit Erleichterung hat die Hotelmanagerin den Ausgang des Volksentscheids aufgenommen, der der Tieferlegung des Bahnhofs grünes Licht gegeben hat. «Wir haben das so erwartet und erhofft.» Sie weiß aber auch, dass es damit nicht zu Ende ist. Wenn im kommenden Jahr die Abrissbagger am Südflügel anrücken, werden wohl auch die Proteste wieder aufflammen. «Mal schauen, wie’s weitergeht. Ich denke aber, dass unser Hotel auch dann nicht davon betroffen sein wird.»

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