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Opfer von Hundebissen werden nicht in erster Linie Briefträger, sondern Spaziergänger und Hundehalter. Die meisten Attacken wären wohl vermeidbar gewesen, wenn die Hunde an der Leine gelaufen wären und vom Halter selbst gehalten worden wären.
Opfer von Hundebissen werden nicht in erster Linie Briefträger, sondern Spaziergänger und Hundehalter. Die meisten Attacken wären wohl vermeidbar gewesen, wenn die Hunde an der Leine gelaufen wären und vom Halter selbst gehalten worden wären. © dpa
01.09.2012

Hunde beißen häufig ihre Halter oder Spaziergänger

Klischee ade: Nicht die Briefträger bekommen am häufigsten Hundezähne zu spüren. Viel öfter greifen die Tiere Spaziergänger oder Hundehalter an, wie unter anderem die Polizeidirektion Tübingen festgestellt hat. Im vergangenen Jahr gingen dort 25 entsprechende Anzeigen ein - und nur einmal war ein Postbote das Opfer. Dagegen kamen 14 Anzeigen von Fußgängern und 6 von Hundeführern.

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Das spiegelt auch die Erfahrung in anderen Städten im Südwesten wieder, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Nach Angaben der Polizei gehen viele Angriff auf nicht angeleinte Hunde oder fehlende Maulkörbe zurück.

Auch andere Polizeidirektionen, etwa in Karlsruhe und Konstanz, haben nämlich beobachtet, dass oft Herrchen oder Frauchen unter den Gebissenen sind. «Bei uns entstehen rund 20 Prozent der angezeigten Bisse bei Hundekeilereien, wenn Menschen eingreifen», sagte ein Karlsruher Polizeisprecher. Dort gab es im laufenden Jahr bereits knapp 40 Anzeigen gegen Hundehalter, was er als «normal» einstufte.

Viele Polizeidirektionen, darunter auch die Stuttgarter, melden gleichbleibende oder nur geringfügig veränderte Anzeigen-Zahlen. Anders ist dies im Ortenaukreis: Hier sind die Anzeigen wegen Hundebissen in die Höhe geschnellt. In der ersten Jahreshälfte waren es schon 27, im gesamten Vorjahr nur 24. Unter anderem verletzte ein Hund ein neunjähriges Mädchen mit Bissen schwer im Gesicht.

Gründe für die Zunahme bei den Anzeigen konnte ein Polizeisprecher aus Offenburg nicht benennen: «Die Streuung ist zu breit, um daraus Schlussfolgerungen abzuleiten.» Selbst Fahrradunfälle, die ein Hund verursacht habe, zählten mit. Häufig komme es zu Zwischenfällen, wenn Kinder allein mit Hunden losgeschickt würden.

Im Schnitt registriert die Stadtpolizei in Stuttgart rund 120 Fälle von Hundebissen im Jahr. «Manchmal ist auch ein kleiner Zwicker dabei», sagte ein Sprecher. Lebensgefährliche Attacken kämen seit langem selten vor. Es gebe zudem keine Hinweise auf eine besonders aggressive Rasse. Das Kampfhundeproblem sei in der Landeshauptstadt seit einigen Jahren sehr stark zurückgegangen.

Gefährliche und entstellende Hundebisse sind nach Angaben vieler Polizeisprecher eher die Ausnahme. Wenn ein stationärer Krankenhausaufenthalt nötig werde, dann meist wegen Entzündungen, hieß es etwa in Karlsruhe. Gewertet werde der Hundebiss als Körperverletzung. In seltenen, schlimmen Fällen könne der Halter nach Auskunft der Stuttgarter Ermittler gar eine Gefängnisstrafe bekommen.

Die Polizei beispielsweise in Offenburg rät Menschen, bei einer bedrohlichen Begegnung mit einem Hund das Tempo zu reduzieren, die Arme hängen zu lassen, nicht hektisch zu werden und nicht wegzulaufen oder zu schreien.

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