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12.03.2010

Im Südwesten gibt es noch Druiden

STUTTGART. Druiden ­ das klingt nach geheimen Riten, Zauberei und Mittelalter. Nicht zuletzt Bücher und Figuren wie Miraculix aus den Asterix-Comics haben ihren Beitrag zu diesem speziellen Bild geleistet. Die heutigen Druiden in Baden-Württemberg, die am Samstag ihr hundertjähriges Bestehen feiern, haben jedoch weder einen geheimen Zaubertrank noch lange weiße Bärte.

Die erste Druiden-Loge wurde 1781 in England gegründet. „Der Name "Druide" sollte an die geistigen Führer der Kelten erinnern“, erklärt Reiner Hans Kurz, Edel-Groß-Erz der Großloge Baden-Württemberg, sozusagen der Vorsitzende des Landesverbandes. Er fügt hinzu: „Mit Okkultismus haben wir aber nichts zu tun.“ Ziel der Druiden ist es vielmehr, das eigene Wissen zu vermehren, für humanistische Werte wie Toleranz und Schutz der Menschenrechte einzutreten und Gutes zu tun.

Allein in Baden-Württemberg hat der deutsche Druidenorden heute 16 Logen wie die Eberhard-Loge in Stuttgart. Meist sind die Logen als eingetragene Vereine organisiert. Etwas Geheimnisvolles haftet vor allem den Ritualen der sogenannten Innenloge immer noch an. An ihr dürfen nur die Brüder selbst teilnehmen: Vor Beginn wird die sogenannte „Regalie“ angelegt, eine Art Kragen, die den Rang deutlich macht. Denn bevor sie als Druiden Ämter übernehmen dürfen, müssen die Brüder einige Zeit als Ovaten und Barden an den Logen teilgenommen haben.

Bei Eintritt in die Innenloge wird ein Passwort verlangt, die Teilnehmer müssen außerdem Stillschweigen über die Inhalte der Innenloge bewahren. „Wir haben keine geheimen Besprechungen. Uns ist aber wichtig, dass ein Vertrauensverhältnis herrscht“, stellt Bernhard Huber, der stellvertretende Landesvorsitzende fest. „Das Passwort hat rein symbolischen Charakter.“

Überhaupt spielt Symbolik eine wichtige Rolle bei den Druiden: Die Innenloge ist unter anderem mit den Symbolen Mond und Flamme geschmückt. In der Mitte steht der Druidenstein, der für das Leitmotiv „Einigkeit ­ Frieden ­ Eintracht“ steht. Auch das wichtigste Zeichen der Druiden - der Siebenstern - ist im Haus der Eberhard-Loge Stuttgart allgegenwärtig. Er symbolisiert die sieben druidischen Weisungen, die bei jeder Innenloge feierlich vorgetragen werden.

Bei den wöchentlichen Treffen geht es jedoch meist um sehr weltliche Themen. Die Brüder planen beispielsweise Spendenaktionen oder gemeinsame Ausflüge. Außerdem werden Vorträge zu den unterschiedlichsten politischen, wissenschaftlichen oder auch religiösen Themen gehalten. Die Loge selbst ist jedoch religiös und politisch unabhängig. „Wir stehen Männern aller Glaubensrichtungen, Berufe und Altersgruppen offen“, erklärt Kurz, der selbst gläubiger Protestant ist.

Zu den Vorträgen in den Außenlogen werden oft interessierte Gäste eingeladen, auch Frauen sind hier willkommen. In Baden-Württemberg gibt es zurzeit circa 470 Druiden, Tendenz leicht steigend. Die Werbung neuer Mitglieder erfolgt meist durch persönliche Empfehlung. „Probleme, Nachwuchs zu finden, haben wir eigentlich nicht“, berichtet Kurz, „das Interesse an unserer Arbeit ist groß.“ Deshalb versuchen die Druiden auch immer wieder neue Logen zu gründen; in Hechingen ist gerade die erste Frauenloge in Deutschland gegründet worden.