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Die Neubürger zieht es vor allem in die Städte, wie Brenner ausführte: «Wir nennen das den "Trend zurück in die Stadt".» Alle neun Stadtkreise im Südwesten haben einen überdurchschnittlichen Wanderungsgewinn.
Die Neubürger zieht es vor allem in die Städte, wie Brenner ausführte: «Wir nennen das den "Trend zurück in die Stadt".» Alle neun Stadtkreise im Südwesten haben einen überdurchschnittlichen Wanderungsgewinn. © dpa
16.07.2012

Immer mehr Baden-Württemberger: Auch Pforzheim wächst

Gebürtige Baden-Württemberger werden seltener, und doch ist die Bevölkerungszahl mit rund 10,8 Millionen so hoch wie noch nie seit Gründung des Landes. Zahlreiche Einwanderer aus dem Ausland haben die geringen Geburtenzahlen mehr als ausgeglichen, wie das Statistische Landesamt am Montag in Stuttgart mitteilte. Im Stadtkreis Pforzheim stieg die Bevölkerungsanzahl um knapp 1000 Einwohner, während sie im Enzkreis stagnierte. Der Landkreis Calw muss gar einen Einwohnerverlust verzeichnen.

In Pforzheim verstarben 2011 zwar knapp 200 Bürger mehr als Geburten zu verzeichnen waren. Zeitgleich waren jedoch rund 8300 Zuzüge in der Stadt zu verbuchen, während nur 7150 Personen die Stadt verließen – alles in allem bleibt ein Bevölkerungsgewinn auf jetzt genau 120.709 Bürger zu verzeichnen. Im Enzkreis heben sich der Überschuss an Sterbefällen und der an Zuzügen auf, alldieweil Calw als einer der wenigen Landkreise Verluste erleidet. Unterm Strich verlor der Kreis 350 Einwohner im Laufe des Jahres 2011.

Im vergangenen Jahr kamen in Baden-Württemberg 88.800 Kinder zur Welt, 1900 weniger als 2010. Noch nie seit Gründung des Landes war die Zahl so gering. Zudem gab es 8900 weniger Geburten als Sterbefälle; 2010 waren es 8100. Wegen des Geburtenrückgangs werde mittelfristig auch die Bevölkerungszahl sinken, sagte die Statistik-Präsidentin Carmina Brenner. Auf Dauer lasse sich der Negativtrend nicht durch die Zuwanderung ausgleichen.

Bei der Bevölkerungsentwicklung steht Stuttgart am besten da. Mit einem Plus von 6800 Bewohnern bleibe die Landeshauptstadt unerreicht, sagte Brenner. Eine durchweg positive Bilanz mit Geburtenüberschuss und Wanderungszuwachs haben zudem Freiburg, Heidelberg, Ulm und Heilbronn sowie die Landkreise Tübingen, Ludwigsburg, Böblingen und Biberach. Mit den größten Einwohnerverlusten kämpfen dagegen der Kreis Freudenstadt (minus 1200), der Neckar-Odenwald-Kreis (minus 800) und der Zollernalbkreis (minus 700).

Die Bilanz steht und fällt mit den Einwanderern. Im vergangenen Jahr sind 41.500 Menschen mehr nach Baden-Württemberg gezogen als das Land verlassen haben. 2010 waren es nur 17.300. Gründe für den Ansturm auf den Südwesten sind laut Brenner ein recht stabiler Arbeitsmarkt, wirtschaftliche Probleme in anderen europäischen Ländern und die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für acht osteuropäische Staaten.

Der Bevölkerungszuwachs bringt auch Probleme mit sich, zum Beispiel Engpässe auf dem Wohnungsmarkt. Es fehlen vor allem Wohnungen für Einkommensschwache, wie eine Studie der L-Bank in Karlsruhe ergab: Die große Nachfrage sowie die energetische Sanierung und Modernisierung führten dazu, dass Wohnungen immer teurer werden. Insgesamt rechnet die Studie mit einem Bedarf von rund 326.000 neuen oder umgestalteten Wohnungen bis 2020.

Die Neubürger zieht es vor allem in die Städte, wie Brenner ausführte: «Wir nennen das den "Trend zurück in die Stadt".» Alle neun Stadtkreise im Südwesten haben einen überdurchschnittlichen Wanderungsgewinn. Im Verhältnis zur Bewohnerzahl schnitt Freiburg am besten ab: Hier zogen 20 Menschen je 1000 Einwohner zu; in Heidelberg waren es 14, in Heilbronn 11 und in Stuttgart 10. Dagegen gab es in acht Landkreisen ein Minus. Am höchsten war der Verlust im Landkreis Freudenstadt mit knapp 1000 Menschen. Der Neckar-Odenwald-Kreis und der Landkreis Rottweil verloren je rund 400 Menschen durch Abwanderung.

Die meisten Einwanderer kommen aus Rumänien (+8000), Polen (+7900) und Ungarn (+4400). Stark zugenommen hat auch die Zuwanderung aus Griechenland und Spanien, die von der Finanzkrise besonders stark betroffen sind. Bei den Griechen etwa stieg die Zahl von 100 Einwanderern im Jahr 2010 auf 2500 im vergangenen Jahr.

Eher gering ist der Zuzug aus anderen deutschen Bundesländern mit insgesamt 1100 Menschen. Die meisten Einwohner hat Baden-Württemberg dem Land Nordrhein-Westfalen abgetrotzt (2000), gefolgt von Niedersachsen und Sachsen (je 1200). Auf der anderen Seite verlor der Südwesten unterm Strich 3400 Menschen an Bayern und 2100 Einwohner an Berlin.

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