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Heinz Scheurer, Diplom Psychologe und Therapeutischer Leiter der Forensischen Ambulanz Baden (FAB), zeigt in Karlsruhe einen Flyer der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS). Die Behandlungsinitiative für potenzielle Sexual- und Gewalttäter verzeichnet wachsenden Zulauf.
Heinz Scheurer, Diplom Psychologe und Therapeutischer Leiter der Forensischen Ambulanz Baden (FAB), zeigt in Karlsruhe einen Flyer der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS). Die Behandlungsinitiative für potenzielle Sexual- und Gewalttäter verzeichnet wachsenden Zulauf. © dpa
04.08.2013

Immer mehr potenzielle Sextäter suchen Therapie

Anonyme Therapie, bevor etwas passiert: Mit ihrem Programm «Keine Gewalt- und Sexualstraftat begehen» verzeichnet die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS) in Karlsruhe wachsenden Zulauf. «Im Moment haben wir vier bis fünf Anfragen von Tatgeneigten pro Woche», sagt BIOS-Vorsitzender Klaus Michael Böhm.

«Das nimmt gewaltig an Fahrt auf, weil unser Präventionsangebot bundesweit immer bekannter wird.» Nach Angaben Böhms durchliefen 169 potenzielle Täter seit August 2010 das kostenlose Programm, hinzu kommen 80 laufende Therapien.

«Unser Ziel ist es, dass es überhaupt nicht zu einem strafrechtlichen Fehlverhalten von potenziellen Tätern kommt. Ist ein solches aber schon erfolgt, dann muss man eine Wiederholung verhindern», erklärt Böhm. «Wir wollen einfach einen Schritt voraus sein.»

Bis zu 40 Therapeuten und drei Psychiater arbeiten in dem Projekt, das bei der Forensischen Ambulanz Baden angesiedelt ist. Neben dem Hauptsitz in Karlsruhe gibt es auch Anlaufstellen in Mannheim, Freiburg, Offenburg, Heidelberg, Pforzheim, Baden-Baden und Heilbronn.

Immer mehr Patienten werden nach Angaben von Projektleiterin Anna Beckers von Behörden, Ärzten, Rechtsanwälten oder Sozialträgern wie der Telefonseelsorge, Caritas oder Diakonie an die Initiative verwiesen. In vielen Fällen sei zunächst eine Krisenintervention gefragt, etwa weil der Patient suizidgefährdet sei, bevor mit der eigentlichen Therapie begonnen werden könne, sagte die Psychologin.

Das bisher nur in Baden-Württemberg angebotene Präventionsprogramm wird laut Böhm mit Spenden und der Zuweisung von Geldbußen von Gerichten und Staatsanwaltschaften finanziert. Der private Verein bemüht sich nun um Bundes- und EU-Fördermittel, um es auf weitere Städte in Deutschland auszuweiten. Seit Beginn des Jahres wird die Arbeit von dem Kriminologen Dieter Dölling und dem Psychologen Peter Fiedler an der Universität Heidelberg auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.