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Kanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Stefan Mappus warben in Karlsruhe für die CDU. Dabei fiel reichlich Lob auf den kurz zuvor zurückgetretenen Verteidigungsminister Guttenberg ab. © Freytag
01.03.2011

In Karlsruhe und Stuttgart: Merkel lobt Guttenberg

KARLSRUHE/STUTTGART. «Es ist entsetzlich.» Die zwei älteren Damen wiederholen den Satz mehrmals. Es ist ihre Reaktion auf den so nicht erwarteten Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Dieses Gefühl steht vielen CDU-Mitgliedern ins Gesicht geschrieben, die am Dienstagabend zum Wahlkampfauftritt von Kanzlerin Angela Merkel und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus in Karlsruhe geströmt sind.

Bildergalerie: Angela Merkel und Stefan Mappus loben in Karlsruhe die CDU und den zurückgetretenen Minister Guttenberg

«Er war mein Held, und er bleibt mein Held», sagt eine CDU-Wahlkampfhelferin wenige Stunden später in Stuttgart und hofft, «dass er bald in die Politik zurückkehrt». Die Anhänger wollen sehen, wie die Partei- und Regierungschefin den Schlag wegsteckt und welche Folgen Mappus für die Landtagswahl am 27. März befürchtet. Die Kanzlerin geht in die Offensive. «Soviel Scheinheiligkeit und Verlogenheit war selten in Deutschland», sagt sie, begleitet von heftigem Beifall, auch wenn sich in Stuttgart Buh-Rufer darunter mischen.

Bildergalerie: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zurückgetreten

Der Opposition gehe es nicht um den Erhalt der wissenschaftlichen Werte, sondern vor allem um die Schwächung der Union. «Wir müssen uns von niemandem erklären lassen, was Anstand und Ehre in unserer Gesellschaft sind.» Zu Guttenberg werde sich wie jeder andere auch in seiner Situation dem Rechtsstaat unterwerfen und für seinen schweren Fehler gerade stehen. Gerade als Wissenschaftlerin wisse sie selbst und deren Bedeutung.

Mit einigen wenigen Worten würdigt Merkel die Verdienste Guttenbergs vor allem bei der Bundeswehrreform. Sie habe ihn deshalb «sehr schweren Herzens» ziehen lassen. Mit ihm verliere auch die Partei einen Mann, «der die Herzen der Unionsanhänger immer wieder erfreut und bewegt hat. Sie sind ihm zugeflogen und das mit Recht.»

In Stuttgart zeigt Merkel dann aber auch Nerven, zumal sie immer wieder gegen etliche Stuttgart-21-Gegner im Saal anreden muss. Sie versucht, ihre Gereiztheit zu kaschieren, doch dann rutscht ihr doch der Spruch raus: «Wenn ich Argumente habe, stehe ich hier nicht mit 'ner Trillerpfeife im Maul.»

Mappus stellt Guttenberg als geläuterten Politiker und Menschen dar. «Er hat einen großen Fehler gemacht, aber er steht dazu, er hat die Konsequenzen gezogen und sich entschuldigt und damit Größe gezeigt.» Diesen Charakter sollten all jene, die jetzt Jagd auf ihn gemacht hätten, erst einmal beweisen. Die CDU müsse jetzt zusammenstehen.

Die Basis zeigt sich am Rand der beiden Veranstaltungen in zwei Punkten einig: Es war eine Kampagne gegen den Minister, und sie hat einen ihrer Hoffnungsträger zur Fall gebracht. Fast alle zollen ihm Respekt für die Entscheidung. «Ich habe ihn sehr geschätzt, und es tut mir leid. Aber ich kann es verstehen», sagt eine Frau vom Bürgerverein Mühlburg. Ihr Mann ergänzt: «Es wundert einen, warum es gerade jetzt im Wahljahr herauskommt. Das hat schon ein Geschmäckle.»

Joachim Lauterbach, Gemeinderat in Waldbronn, spricht von einer «Hetzjagd von Leuten, die ihm nicht das Wasser reichen konnten». Er wolle gar nicht wissen, bei wie vielen Doktorarbeiten geschummelt werde. Sein Freund Jörg Biermann, ein ehemaliger Gemeinderat aus Bretten, sieht es etwas kritischer. «Er hätte früher die Reißleine ziehen müssen. Wenn die Jagd erstmal eröffnet ist, muss auch jemand geschossen werden.»

Was nun wird? Da gehen die Meinungen auseinander. «Das ist schon ein Tiefschlag», sagt ein junger CDU-Funktionär. Die beiden älteren Frauen sind sich dagegen sicher, dass die CDU durch diese Kampagne zusammengeschweißt wird. «Jetzt erst recht.» Auch Lauterbach glaubt an einen Mobilisierungseffekt. «Die große Mehrheit der Bevölkerung steht doch zu ihm.» Und was wird aus Guttenberg? «Der ist in ein paar Jahren wieder da», ist der Karlsruher CDU-Sprecher Marcus Hartmann überzeugt. Ein Satz, der an dem Abend noch häufiger zu hören ist.

In Stuttgart hat der Tag die Basis von der Jungen Union mitgenommen, und die lautstarken Stuttgart-21-Gegner tun ein Übriges. Mit falsch geordneten Buchstabenschildern stiftet der christdemokratische Nachwuchs zunächst Verwirrung. Merkel braucht einige Zeit, um zu merken, dass sie als «Kanserinn» begrüßt werden soll - kein einfacher Tag für die Wahlkämpfer in Baden-Württemberg. dpa