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Integrationsministerin Bilkay Öney warnt: Vermeintliche Gotteskrieger werden von den IS-Terroristen nur als Kanonenfutter missbraucht. Bei dem blutigen Terror gehe es nicht um Religion, sondern auch wirtschaftliche Aspekte.
Integrationsministerin Bilkay Öney warnt: Vermeintliche Gotteskrieger werden von den IS-Terroristen nur als Kanonenfutter missbraucht. Bei dem blutigen Terror gehe es nicht um Religion, sondern auch wirtschaftliche Aspekte. © dpa
14.01.2015

Integrationsministerin Öney warnt: Vermeintliche Gotteskrieger nur Kanonenfutter

Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) hat junge Menschen davor gewarnt, sich Illusionen über den «Heiligen Krieg» zu machen. «Da geht es nicht nur um Religion, sondern vor allem um den Kampf um Boden und Ressourcen wie Gas, Öl und Diamanten», sagte die Ministerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Im Konflikt um die Macht zwischen islamistischen Gruppierungen würden fanatisierte Jugendliche als Kanonenfutter oder Selbstmordattentäter missbraucht.

Sie wies darauf hin, dass nicht nur Migranten in den Dschihad zögen: «Die Islamisten heißen nicht nur Achmed und Mohammed sondern auch Ronny oder Pierre.» Ein großer Anteil derjenigen, deren Ausreise zum Kampf nach Syrien verhindert worden sei, hätten nach einer Anfrage der Grünen im Bundestag die deutsche Staatsbürgerschaft.

Bis Ende 2014 waren nach Angaben von Innenminister Reinhold Gall (SPD) 30 Dschihadisten aus Baden-Württemberg ausgereist, um in Syrien oder im Irak zu kämpfen. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass auch zwei 26-jährige Mannheimer unter Verdacht stehen, die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien zu unterstützen.

Dass im Südwesten die islamkritische Pegida-Bewegung so gut wie nicht existiert, ist nach Öneys Einschätzung auf den hohen Migrantenanteil zurückzuführen. «Die Menschen kennen - anders als in Dresden - Migranten persönlich und haben wegen der guten Beschäftigungslage Besseres zu tun, als wegen vermeintlicher Benachteiligung auf die Straße zu gehen.» Der Migrantenanteil im Südwesten liegt bei rund 27 Prozent, bei den Jugendlichen bei einem Drittel.

Die meisten Muslime wollen nach Öneys Worten in Ruhe in Deutschland leben und fürchteten wegen der Verbrechen im Namen des Islam um ihren guten Ruf. Sie setze große Hoffnungen darauf, dass der Bundesnachrichtendienst sämtliche erschließbaren Nachrichten-Quellen auswerte und Terror-Attacken verhindern könne, so wie es bereits geräuschlos passiert sei, sagte die türkischstämmige Ministerin.

Zur Frage, wie weit Karikaturen gehen dürften, sagte Öney: «Da bin ich ganz schmerzunempfindlich. Kunst und Kultur müssen frei sein.» Es handele sich um lang erkämpfte Werte. Sie beobachte bei Muslimen eine rückläufige Aufregung wegen eventuell provokativer Darstellungen.