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Jäger erlegen weniger Wild - Lockfutter umstritten
Jäger erlegen weniger Wild - Lockfutter umstritten © dpa
05.02.2013

Jäger erlegen weniger Wild - Lockfutter umstritten

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Jagd auf das Schwarzwild wird immer schwerer. Angesichts der wachsenden Wildschwein-Population halten die Jäger daher den Einsatz von Lockfutter weiter für unersetzlich. Ohne sogenannte Kirrungen bekämen die Waidmänner das Schwarzwild praktisch nicht vor die Büchse, sagte Landesjägermeister Dieter Deuschle der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

Wegen der üppigen Maisbestände in der Flur sowie reichlich natürlichem Futter im Wald sei die Attraktivität von Lockfutter ohnehin schon geringer geworden. «Die Wildschweine sind sehr schlau», sagte Deuschle.

Im Jagdjahr 2011/2012, dessen Bilanz jetzt vorliegt, waren in Baden-Württemberg nur noch 32 000 Stück Schwarzwild erlegt worden, das war ein Rückgang um etwa 38 Prozent. Im aktuellen Jagdjahr zeichne sich aber eine deutliche Zunahme der Strecke ab.

Unterdessen drängte der Naturschutzbund (Nabu) zum Schutz des Waldes erneut auf wirksamere Jagdmethoden. «Die Bestände von Rehen, Hirschen und Wildschweinen sind in vielen Wäldern deutlich zu hoch, um einen zaunfreien, naturnahen Waldbau erfolgreich betreiben zu können», sagte Nabu-Landeschef Andre Baumann. Er lehnte Kirrungen grundsätzlich ab. Diese Praxis habe fütterungsähnliche Wirkungen auf das Wild. Es werde zu viel und über zu lange Zeiträume Lockfutter angeboten, sagte Baumann. Unter den aktuellen Bedingungen müsse junger Wald oft durch Zäune geschützt werden, damit die Rehe die jungen Triebe nicht verbissen. «Waldbau darf nicht zum Zaunbau verkommen», sagte Baumann.

Landesweit wurden in der Saison 2011/2012 etwa 300 000 Stück Wild geschossen. Das waren 13,8 Prozent weniger als im vorherigen Zeitraum. Gerade beim Rehwild ging die Strecke deutlich um elf Prozent auf 147 000 Stück zurück. Knapp 65 000 Füchse, 16 000 Wildenten, 10 000 Hasen, 9000 Dachse, aber auch 3600 Wildtauben, 500 Wildgänse und 260 Waschbären wurden erlegt. Der Nabu wirbt für mehr revierübergreifende Drückjagden, bei denen in kurzer Zeit relativ viele Wildschweine geschossen werden könnten.

Die Jagd gilt - da oftmals natürliche Feinde fehlen - als unverzichtbarer Teil der Naturpflege. So verbeißt Rehwild junge Triebe an den Bäumen. Auch die Wildschweine verursachen durch ihr Wühlen nach Würmern im Boden erhebliche Schäden in der Landwirtschaft, für die Jäger Landwirte entschädigen müssen.

Gerade im Langzeitvergleich wird deutlich, wie der vermehrte Maisanbau und die temperaturbedingt häufigere Eichel- und Bucheckernmast in den Wäldern die Zahl des Wildschweine hat steigen lassen: Innerhalb von 20 Jahren hat sich die Schwarzwildstrecke fast vervierfacht.

«Es gibt beim Schwarzwild immer weniger Notzeiten, die eine natürliche Bestandsregulierung bewirken würden», sagte Deuschle. Eine Regulierung zum Beispiel durch Futter, das mit Medikamenten versetzt ist, lehnen die Jäger strikt ab. Diese «Pille für das Wildschwein» komme nicht infrage, heißt es beim Landesjagdverband. Schon deshalb, weil damit das Wildbret nicht mehr verzehrbar wäre. Fleisch von Reh, Hase und Wildschwein ist in Deutschland hoch begehrt.

Die rund 39 000 Jäger im Südwesten stehen unter erheblichem Druck, den sogenannten Abschussplan zu erfüllen, der für Rehe und Hirsche aufgestellt wird. Wenn ein Jagdpächter die von den Behörden festgelegten Zahlen nicht erreiche, werde in gravierenden Fällen auf seine Kosten ein Berufsjäger engagiert, sagte Deuschle. Auf rund 20 Prozent der Landesfläche werde derzeit ein Projekt erprobt, bei dem Waldeigentümer und Jäger im Dialog ohne Zutun der Behörde sinnvolle Abschussziele formulierten. Das laufe vielversprechend an.

Der Wildbestand wird jedes Jahr jenseits der Jagd durch die zahlreichen Unfälle mit Tieren dezimiert. Jährlich werden nach Angaben des Landesjagdverbands rund 20 000 größere Wildtiere überfahren.